Das "Vaterunser" ist der größte Märtyrer


#61

Da hast du Recht, Michael.

Manchmal ist es sonnenklar was Gottes Wille ist, dass wir etwas tun oder lassen.
Dann sollen wir natürlich nicht dagegen arbeiten.
Wir können Gott darum bitten, dass er uns stärkt und befähigt, seinen Willen zu tun.

Manchmal ist es nicht so einfach, Gottes Willen zu erkennen. “Dein Wille geschehe” beinhaltet auch die Bitte, Gottes Willen überhaupt zu erkennen.

Ich bin der Meinung bei manchen Dingen dürfen wir einen freien Willen haben. Um bei deinem Thema zu bleiben, Michael:
Wir sollten Gott natürlich nach seinem Willen fragen, wenn es darum geht, ob wir noch ein Kind bekommen sollten oder nicht. Wenn er nicht deutlich antwortet kann das bedeuten, dass wir mitentscheiden dürfen, wie viele Kinder unserer Familie guttun. Wir müssen nicht zwölf Kinder bekommen oder so.

Aber es gibt auch Bereiche, die wir überhaupt nicht durch unser Handeln beeinflussen können:
Wenn ich darum bitte, dass meine Bekannte vom Krebs geheilt wird weiß ich nicht, ob das Gottes Wille ist.
Ich bitte trotzdem um Heilung, erkenne aber an, dass Gott evtl. einen anderen Plan hat.


#62

Diese Gebete waren Beispiele von mir für euch,
wie man im Geist und in der Wahrheit beten könnte.

Und es wäre schön,
wenn Du mir/uns auch mal ein Beispiel geben würdest,
wie Du die Anrede und die Bitten im “Vaterunser”
im Geist und in der Wahrheit beten würdest.

Was denkst Du dir dabei?

Wie gesagt:
“Das Vaterunser ist der größte Märtyrer,
weil es so viel gedankenlos gebetet wird.”

LG! Erich


#63

Ja, man kann sagen, dass die Bitten “Hand in Hand gehen”, aber es ist (wie gesagt) unter den sieben Bitten (so wie bei den 10 Geboten: das erste Gebot)
keine größere als die, dass wir bitten: “GEHEILIGT WERDE DEIN NAME!”

Und wie ich auch schon (ähnlich) schrieb: Im Himmel gibt es keinen Eigenwillen, der das Haupt des Bösen ist. Und so wie es im Himmel ist, so soll es auch auf der Erde sein, also bei und in den Gläubigen, in ihrem Innern, in ihren Herzen.

Ja, Gottes Wille geschieht auch ohne unser Gebet, aber wir beten in diesem Gebet, dass er auch bei und in uns geschehe.

Ja, aber niemand kann Gottes Willen wahrlich tun, weil wir selbst zu schwach dazu sind, denn dazu müssten wir erst unseren Eigenwillen (den alten Adam in uns) bezwingen und töten. - Und was brauchen wir zur Stärkung?

Auf der neuen Erde wird es bestimmt so sein, bei den Menschen, die das ewige Leben erhalten. - Nun leben wir aber noch hier, auf dieser alten Erde, und deshalb bitten wir ja in diesem Gebet (wie gesagt), dass Gottes guter und gnädiger Wille bei und in uns geschehe.

.

Ja, das ist gut, wenn Du dich wahrlich in Gottes Willen ergibst,
aber lasse dir Gottes Sache wichtiger sein als deine Sachen.
Bete also viel mehr um das Geistliche, als um leibliche irdische Dinge.
Deshalb lasse das Leibliche und Irdische nicht das Erste und das Letzte sein.
Und schaue darauf, dass Du nicht bloß für dich, sondern auch für andere betest.
Und lasse Dir nicht nur deine Familie am Herzen liegen,
sondern auch die ganze Christengemeinde, ja, die ganze Menschheit.

Ja, Gott tut gewiss immer das Richtige und darauf kannst Du wahrlich vertrauen. Und wenn es nicht so kommt, wie Du es dir vorgestellt hast, dann denke an Jesus Christus und seine Apostel und Jünger.
Denn in diesem Gebet wird nichts anderes gesucht, als das Kreuz und die Marter, Widerwärtigkeiten und allerlei Leiden, die dazu dienen den eigenen Willen zu zerstören.
Wenn es nun die eigenwilligen Menschen recht bedenken würden, wie sie mit diesem Gebet, “Dein Wille geschehe”, gegen ihren eigenen Willen bitten, so würden sie dieser Bitte feindlich gegenüberstehen oder sie würden wenigstens vor ihr erschrecken.

,

Ja, richtig, und Jesus Christus ist dafür das beste Beispiel.

1Joh 3,16 Hieran haben wir die Liebe erkannt, dass er für uns sein Leben hingegeben hat; auch wir sind schuldig, für die Brüder das Leben hinzugeben.

Joh 15,13 Größere Liebe hat niemand als die, dass er sein Leben hingibt für seine Freunde.

Joh 10,11 Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.

Mt 16,24 Dann sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach!

LG! Erich


#64

Ja, da stimme ich euch selbstverständlich zu, denn Jesus Christus sagte ja auch:
"Nicht wie ich will, sondern wie du willst!"

Ja, und deshalb geht es im “Vaterunser” auch mit der vierten Bitte weiter:
"Unser tägliches Brot gib uns heute."

Ja, und dazu fallen mir auch diese Worte Pauli ein:

Kol 1,9-14
9 Darum lassen auch wir von dem Tag an, an dem wir’s gehört haben, nicht ab, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht, 10 dass ihr, des Herrn würdig, ihm ganz zu Gefallen lebt und Frucht bringt in jedem guten Werk und wachst in der Erkenntnis Gottes 11 und gestärkt werdet mit aller Kraft durch seine herrliche Macht zu aller Geduld und Langmut. Mit Freuden 12 sagt Dank dem Vater, der euch tüchtig gemacht hat zu dem Erbteil der Heiligen im Licht. 13 Er hat uns errettet aus der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines geliebten Sohnes, 14 in dem wir die Erlösung haben, nämlich die Vergebung der Sünden.

In allen Dingen darfst, ja, sollst Du sogar einen freien Willen haben.
Wie gesagt:
Ein freier Wille ist, der nichts Eigenes will, sondern allein auf Gottes Willen schaut,
und dadurch bleibt er auch frei und hängt und klebt an nichts!

Wie antwortet uns Gott?

Wir Christen glauben, dass Gott auf verschiedene Weise antwortet.

  • Gott antwortet uns durch seine Worte, die in der Bibel stehen.
  • Gott kann uns durch ein besonderes Ereignis die Antwort geben.
  • Gott kann uns auch durch andere Menschen Antwort geben.
  • Gott kann uns aber auch im Traum die rechte Antwort geben.

Warum sollte er uns also nicht deutlich antworten?
Es kann sein, dass wir ihn nur nicht recht verstanden haben,
oder haben seine Antwort nicht als solche wahrgenommen.

Ja, das denke und glaube ich auch:

1Joh 5,14 Und dies ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben,
dass er uns hört, wenn wir etwas nach seinem Willen bitten.

LG! Erich


#65

Das kann sein.
Ich wünsche mir oft, Gott würde so deutlich zu mir sprechen wie in den Don Camillo-Filmen :blush:

Ich hätte vielleicht besser schreiben sollen “eigener Wille”, einen freien Willen haben wir ja immer.
Ich glaube manchmal dürfen wir einfach nach unseren eigenen Bedürfnissen entscheiden und Gott findet beide/alle Möglichkeiten gut.
Mir fällt jetzt keine gescheites Beispiel ein. Vielleicht ob ich heute ein rotes oder ein blaues T-Shirt anziehe.


#66

:+1: Ja wer nicht? :+1:

Aber witzigerweise tut er das, nur eben anders. Z.B wenn dein Bruder / deine Schwester ein Klartext Wort des Herrn Jesus zu dir sagt, dann wäre das doch so oder?

Wir hätten natürlich gerne unsere völlige Privataudienz so auch mit Gott. Aber man kann sich angewöhnen, den Text des “Vater Unser” einfach als das ansehen. Wann immer wir den Text aussprechen, dann redet ihn Gott auch. Und dann redet er sogar aus unserem Mund.

Wir müssen dann (nur mehr noch) mit unserem Geist und mit den Taten darin übereinstimmen, sprich, was im Geiste im Himmel schon längst gilt hier auf Erden in unserem Leben auch gelten lassen.

Naja, das “nur mehr noch” ist das Problem. :grinning:


#67

Ja. Aber das kapiert man halt oft erst im Nachhinein.

Das ist ein sehr guter Gedanke! Ich habe noch nie darüber nachgedacht, dass das Vaterunser logischerweise Gottes Wort ist.

Das “wie im Himmel, so auf Erden” habe ich noch nicht so ganz kapiert. Dass im Himmel Gottes Wille geschieht ist ja klar.
Bedeutet es “so wie im Himmel schon immer dein Wille geschieht soll es auch auf der Erde sein”?


#68

Hi @Erich, ich sehe den Freien Willen als zentralen Punkt der biblischen Botschaft: Wir Menschen können uns entweder für oder gegen Gott entscheiden. Wenn wir uns gegen Gott entehscheiden, werden wir vom Teufel (und unsrem Fleisch) versklavt das böse zu tun aber wenn wir uns für Gott entscheiden, dann entscheiden wir uns freiwillige Sklaven zu sein. Wir stellen also unseren Willen bewusst hinten an um Gottes Willen zu befolgen. Der Unterschied ist, dass der Teufel uns rücksichtslos einnehmen will, während Gott unseren Willen respektiert.
Das was du Eigenwillen nennst verstehe ich Egoistischen Willen und der steht, klar, gegen den Willen für Gott zu leben.

lg


#69

Es ist auch ein Lernprozess. Niemand wird als Jesus neugeboren, aber wer sich auf diesen Weg begibt, den gestaltet der HG im Laufe des Lebens immer mehr zu diesem vollkommenen Ebenbild um.

Wie sollte man es anders verstehen?


#70

Hallo Therese!

Vielleicht hast Du mich nicht ganz richtig verstanden?

Wie gesagt:
Ein freier Wille ist, der nichts Eigenes will, sondern allein auf Gottes Willen schaut,
und dadurch bleibt er auch frei und hängt und klebt an nichts!

Der “Eigenwille” ist das größte Übel in uns.
Der “Eigenwille” ist das Haupt der Bosheit,
der Hauptbösewicht, der vom Teufel kommt.

Denn unser Wille ist das Größte in uns,
und genau gegen diesen Willen müssen wir bitten!

Es geht hier doch um hohe geistliche Dinge.

Ob Du an Gott glauben kannst, das ist auch nicht Deine Entscheidung, sondern Gottes und seines Geistes.

1.Kor 12,8-11
8 Dem einen wird durch den Geist ein Wort der Weisheit gegeben; dem andern ein Wort der Erkenntnis durch denselben Geist; 9 einem andern Glaube, in demselben Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen, in dem einen Geist; 10 einem andern die Kraft, Wunder zu tun; einem andern prophetische Rede; einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen. 11 Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist, der einem jeden das Seine zuteilt, wie er will.

In niedrigen Dingen kannst Du natürlich selbst entscheiden,
z.B. ob Du heute ein rotes oder ein blaues T-Shirt anziehst.

LG! Erich


#71

Das sehe ich etwas differenzierter. Gott legt zu allem die Grundlage, aber wir müssen uns sehr wohl dafür entscheiden.

An Kleinkindern lässt sich das Phänomen Eigenwille ganz gut erklären. Als Vater gebe ich ihm z.B. den Freiraum in seinem Kinderzimmer. Darin kann es frei verfügen, nur setze ich auch Grenzen. Ich erlaube z.B. nicht das Fenster zu öffnen (wenn man z.B. im 6. Stock wohnt). Schon den Versuch ahnde ich.

Versucht es das Kind trotzdem, gibt’s einen auf die Finger. Aber das Kind ist frei in der Entscheidung zu gehorchen oder nicht. Wenn es es das trotz Ermahnung mehrfach tut, dann ist das der sog störrische Eigenwille.

Wenn es aber zwischen Lego und Matador wählt zu spielen, so ist es in dieser Hinischt völlig frei, weil ich das z.B. unter Freiheit gestellt habe.

Ich repräsentiere dem Kind gegenüber Gott. Was ich dezidert verbiete und das Kind gehorcht dem dann ist es in Einklang mit dem väterlichen, jetzt “himmlischen” Willen. Will es aber die Wände beschmieren oder laut herumschreien, was ich nicht erlaube, dann entscheidet das Kind frei zu gehorchen oder nicht. Es ist aber immer frei, wenn auch in seiner sehr mikrigen Welt eingeschränkt.

Und so vergleiche ich uns als Mensch gegenüber Gott und seinem Universum auch. Einschränkungen sind klar, und was Gott darin nicht will auch, z.B. gab er uns 10 Grundgebote. Es liegt an uns zu gehorchen oder nicht.


#72

Leider verwechseln die Menschen sehr oft ihren Eigenwillen mit dem freien Willen
oder denken dass ihr Eigenwille der frei Wille ist.

Leider kann ein Mensch gar nichts entscheiden, was die hohen geistliche Dinge betrifft, denn es liegt hier nicht an seinem Willen, sondern dass Gott sich über ihn erbarmt.

Röm 9,18 So erbarmt er sich nun, wessen er will, und verstockt, wen er will.

Zeige mir bitte einen Menschen (außer Jesus Christus), der die Zehn Gebote gehalten hat.

LG! Erich


#73

Warum wohl sagt Martin Luther:
“Das Vaterunser ist der größte Märtyrer,
weil es so viel gedankenlos gebetet wird.” ?

Das “Vaterunser” sollte also nicht einfach so dahergeredet und dahingeplappert werden (das können auch Gottlose, Ungläubige usw.),
sondern es soll im Geist und in der Wahrheit gebetet werden, denn solche Anbeter will der Vater haben.
Es soll mit herzlichem Begehren und auch im Sinn dessen, was die Worte sagen gebetet werden.
Ohne Erhebung des Gemütes oder Herzens zu Gott nützen nämlich alle Worte nichts,
denn das Wesentliche ist nicht da, sondern allein der Schein.
Und wie ich auch schon gesagt habe: Bete mit Ehrfurcht und dem kindlichen Sinn des Glaubens,
mit dem weiten Herzen der Liebe und mit dem himmlischen Sinn der Hoffnung.
Und wenn Du das tust, dann hilft dir selbstverständlich auch der Heilige Geist.

Nur vergiss nicht: Gott ist dein Vater!, - nicht dein Knecht!

Spr 15,29 Fern ist der HERR von den Gottlosen, aber das Gebet der Gerechten hört er.

Joh 9,31 Wir wissen, dass Gott Sünder nicht hört, sondern wenn jemand gottesfürchtig ist und seinen Willen tut, den hört er.

LG! Erich


#74

Hallo Lego!

Richtig, und deshalb solltest Du dir Jesus Christus auch als Vorbild nehmen.

Das können wir nicht, denn der Glaube ist eine Gnadengabe Gottes.
Gott kann einen Menschen verstocken, so dass er nicht glaubt, oder
Gott erbarmt sich über einen Menschen und ist ihm gnädig, dann wird er glauben.
Wenn er nicht das Herz eines Menschen berührt und auftut, dann kann er auch nicht glauben.

Denke z.B. an den Pharao, dem Gott das Herz verstockt hat.

2Mo 4,21 Und der HERR sprach zu Mose: … Ich aber will sein Herz verstocken, dass er das Volk nicht ziehen lassen wird.

Oder denke an Saulus/Paulus, der die Christen verfolgte usw,
aber Gott, der Herr Jesus, hat ihn zu seinem Werkzeug gemacht.

Die Menschen sind von Adam an sündig, böse und verdorben und somit ist es auch unser Wille, der nur ein Eigenwille ist, der vom Teufel kommt, und kein freier Wille (für Gott) ist.

“Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.” (1.Mose 8,21)

1Mo 6,5 Und der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde groß war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag.

Ps 58,4 Abgewichen sind die Gottlosen von Mutterschoße an, es irren von Mutterleibe an die Lügenredner.

Ps 14,3 Aber sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.

Von sich aus kann also kein Mensch Gutes tun, wenn Gott nicht sein Herz lenkt.

Spr 16,9 Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg;
aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.

Jer 10,23
Ich weiß, HERR, dass des Menschen Tun nicht in seiner Gewalt steht,
und es liegt in niemandes Macht, wie er wandle oder seinen Gang richte.

Spr 21,1 Des Königs Herz ist in der Hand des HERRN wie Wasserbäche;
er lenkt es, wohin er will.

Ps 33,15
15 Er lenkt ihnen allen das Herz,
er gibt Acht auf alle ihre Werke.

Oder denke an Israel und die Juden, die bis heute noch nicht an Jesus Christus glauben können,
weil Gott ihr Herz verstockt hat.

39 Darum konnten sie nicht glauben, denn Jesaja sagte wiederum (Jesaja 6,9-10):
40 »Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstockt, dass sie mit den Augen nicht sehen noch mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich ihnen helfe.«

LG! Erich


#75

Hallo @Michael, @Zippo, @Lego_las_Bibel, @Therese, @Caramillus, @Giovannie, @JohnSmith, @Ellipirelli, @H-C-Noir, und @Ruth_89 !

Zuvor: Das “Vaterunser” ist nicht bloß eine Gebet mit Bitten,
sondern auch eine heilsame Lehre und Kennzeichnung
unseres elenden, verdammten Lebens auf Erden.
Es führt uns zur Selbsterkenntnis und hat eine doppelte Wirkung:
Es erniedrigt und erhebt uns.
Es erniedrigt damit, dass es uns zwingt
mit eigenem Munde unser großes, klägliches Elend zu bekennen,
erhebt aber damit, dass es uns zeigt,
wie wir uns in solcher Erniedrigung verhalten sollen.

Diese Art hat jedes Wort Gottes an sich, dass es
erschreckt und tröstet, schlägt und heilt, zerbricht und baut,
ausreißt und wieder pflanzt, demütigt und erhebt. (Pred 3)

Ich denke, dass wir nun zur nächsten Bitte kommen können.

Und selbstverständlich habe ich für euch wieder ein Beispiel aufgeschrieben,
wie man die vierte Bitte als Herzensgebet (d.h. im Geist und in der Wahrheit) beten könnte:

UNSER TÄGLICHES BROT GIB UNS HEUTE.

Oh himmlischer Vater, weil deinen Willen niemand ertragen kann und wir zu schwach sind, um das Töten unsres Willens und unsres alten Menschen (Adams) zu dulden und zu tun; so bitten wir dich, du wollest uns dein heiliges Wort und heiliges Evangelium vom Himmelreich Gottes, also das wahre himmlische Manna, das lebendige Wasser, das gute Öl und die Milch, die Butter und den Honig, der süßer ist als Honigseim, das lebendige Brot und den Kelch mit Wein [zur Vergebung der Sünden], das Fleisch und das Blut unseres Herrn Jesus Christus, das die rechte, edle, feine, leckere, gute Speise und der kräftige, wahre, gnadenvolle und köstliche Trank für unsere Seelen ist, heute, diese Stunde, jetzt und allezeit zur Stärkung und zum Troste geben, besonders im Leiden und im Sterben; denn unser Herr Jesus Christus spricht ja:

“Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist.
Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.
Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben,
und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken.” (Joh 6,51. 54)

Bitte, lieber Vater, gib uns deine Gnade und mache uns zu Werkzeugen deines Friedens, und hilf uns das Geheimnis Christi weiterzusagen.
Sende gute Arbeiter aus in deine Ernte und setze sie ein als Apostel, als Propheten, als Evangelisten, als Hirten und Lehrer, damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes, daß wir Jesus Christus als das himmlische Brot durch die ganze Welt hin predigen hören und ihn von Herzen erkennen mögen,
damit doch die gefährlichen, ketzerischen, irreführenden und überhaupt alle menschlichen Lehren aufhören und so allein dein Wort, das wahrhaftig unser lebendiges Brot ist, ausgeteilt werde.

Lieber Vater, bitte hilf, dass wir den Armen und Elenden dein Evangelium verkündigen, daß wir es den Durstigen zu trinken und den Hungrigen zu essen geben, dass wir die Nackten in deine Gerechtigkeit kleiden, dass wir die Kranken besuchen, sie mit dem guten Öl salben und wieder gesund machen, dass wir die Gefangenen besuchen und von Sünde und Schuld befreien, dass wir die Fremdlinge lieben und bei uns leben lassen, damit sie keine Fremdlinge mehr sind, dass wir die Waisen und Witwen besuchen und sie in deine heilige, christliche Familie aufnehmen, damit sie wieder Vater und Mutter, Brüder und Schwestern, Söhne und Töchter haben, und nicht mehr einsam sein müssen.

Lieber Jesus, du Arzt über alle Ärzte, bitte hilf uns,und öffne die Augen der Blinden, damit sie auf dich sehen und dich erkennen, öffne die Ohren der Tauben, damit sie auf dich hören und auch tun was du ihnen sagst, öffne den Mund der Stummen, dass sie von dir reden und dich loben und preisen, lass die Lahmen wieder gehen, damit sie dein Evangelium in die Welt hinaustragen, mache die Aussätzigen rein von ihren Sünden und die Verkrüppelten völlig gesund, damit sie den wahren Glauben an unsern Herrn und Gott, den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist, haben mögen, und erwecke die geistig Toten, damit sie wieder zum Leben kommen, und liebster Herr, Jesus Christus, gib uns auch deine göttliche Kraft und Macht, dass wir die bösen Geister austreiben können in deinem Namen, denn du bist der Weg und die Wahrheit und die Auferstehung und das ewige Leben.

Und bitte, lieber Jesus, geh durch deinen guten Geist auch zu den entschlafenen Toten, den Geistern im Gefängnis, die einst ungehorsam waren, und auch zu denen, die nie etwas von dir hören durften oder konnten, und anderen, irreführenden, falschen Glaubensrichtungen und Religionen angehören mussten; predige ihnen dein Evangelium und gib auch ihnen noch die Gelegenheit und die gute Aussicht, dass sie an dich glauben und das ewige Leben haben dürfen, - denn du willst doch, dass allen Menschen geholfen werde.

Nichts ist dir unmöglich! Du bist das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende und der Lebendige. Du warst tot und bist lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und nur du hast die Schlüssel des Todes und der Hölle!

Lieber Vater, bitte gib, dass wir Jesus Christus erkennen und offenbare uns deinen Sohn und ziehe uns zu ihm, dass wir ihn aufnehmen, erfassen und verstehen, daß er für uns die Weisheit und die Gerechtigkeit, die Heiligkeit und die Erlösung ist, und daß wir durch ihn, dich erkennen und durch ihn, zu dir kommen dürfen.

Durch deine Worte und durch die Sakramente der Taufe und des Abendmahles, lasse es uns hören, fühlen, riechen, schmecken und sehen, ja, mit allen Sinnen, wie freundlich du, unser Herr und Gott, bist, dass in unseren Herzen starke Wurzeln schlagen und wir gute Früchte tragen können.
Mache uns dadurch stark und voller Glauben, dass wir nichts mehr fürchten in dieser Welt, weder unsre Sünde und unser Gewissen, noch Teufel und Tod; und das verleihe, lieber Gott, uns allen, besonders den Bischöfen, Priestern und Pfarrern, den Diakonen und allen heiligen und christlichen Mitarbeitern, die dein ewiges Wort in Gang und Schwang halten sollen und müssen.
Gib dass unser Herr Jesus Christus in uns erscheine und in unserm inwendigen Menschen wohne und wachse durch deinen Heiligen Geist.

Bitte, guter Vater, hilf uns, dass wir allen Menschen auf Erden, in himmlischen und in irdischen Dingen helfen können, und auch unsern Feinden gerne wohltun.
Und darum, gib uns bitte auch, was Not tut für Leib und Leben, wie einen guten Beruf, Essen und Trinken, Kleider und Schuhe, Haus und Hof, Acker und Vieh, Geld und Gut; fromme Eheleute und fromme Kinder, fromme Männer und Frauen in hoher oder niedriger Stellung, gute weltliche Regierungen und besonders gute geistliche Regierungen; gutes Wetter, sauberes Wasser, saubere Luft und eine saubere Erde; körperliche und seelische und geistige Gesundheit; Friede, Zucht und Ehre; auch gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen mehr.

Aber bitte, lass uns nicht vergessen, dass wir uns Schätze im Himmel sammeln, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo unser Schatz ist, da werden gewiss auch unsere Herzen sein.
Und deshalb lasse uns zuerst nach deinem Reich und deiner Gerechtigkeit trachten, denn du hast zu uns gesagt, so wird uns das alles zufallen, und darum gib, daß wir uns um Morgen keine Sorgen machen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen; denn du weißt ja auch, lieber himmlischer Vater, was wir bedürfen, bevor wir dich bitten.

LG! Erich


#76

Wow! Das ist ein langes Gebet für so einen kurzen Satz :sweat_smile:
Ich hab gedacht, dass sich dieser Satz speziell auf die irdischen Bedürfnisse bezieht, wie du das auch in einem Abschnitt erwähnst. Ich glaube aber das man viel mehr dazu sagen kann, ohne gleich “vergeistlich” zu interpretieren.

“Gib uns unser täglich Brot” bedeutet soviel wie, ermögliche uns das Leben hier auf Erden. Ermögliche das wir nicht hungern müssen, aber auch das wir unser Essen genießen und nicht undankbar verschlingen. Klar, aber diese Dankbarkeit geht trotzdem viel zu oft unter. Viele Menschen die ins Ausland reisen und Menschen unter anderen Lebensbedingungen treffen verstehen viel mehr, was es heißt, dankbar zu sein. Die Auswahl an Lebensmittel, Arbeit und so weiter, ist alles ein Segen Gottes und keine Selbstverständlichkeit. Wir wollen unseren Standart aufrecht erhalten, und beneiden den Nächsten mit seinem Pool im Garten…

Mir wird durch dieses Gebet bewusst, dass Gott uns das alles gibt. Jeden Tag aufs Neue. Viele Menschen erhalten keinen solchen Segen und wir könnten am nächsten Tag auch Mangel erleiden. Deswegen bitten wir darum. Wenn wir es erwarten, brauchen wir nicht darum zu bitten.

PS: Zum vorigen Thema: Der Freie Wille ist ja ein umstrittenes Thema für sich. Deine Antwort hat mich aber trotzdem zum Nachdenken gebracht. Wie bei der Vorherbestimmtung weiß und lenkt Gott alles. Das ist mir schon bewusst. Zur gleichen Zeit ist der Baum der Erkenntniss ein Ausdruck dessen, dass Gott uns uns selbst lenken lässt. Hier denke, wir Menschen können garnicht ganz begreifebnwas Freier Wille bedeutet. Was wir aber verstehen ist, dass wir uns zu Gott umkehren müssen und für ihn leben. Und deswegen sollten wir das auch tun und uns da nicht immer den Kopf zerbrechen.


#77

Wer sind eigentlich diese komischen wir von denen man so viel schlechtes hört?

Gehörst du dazu? Dann solltest du mal deinen Neid abstellen.


#78

?
Ich glaube, dass keiner perfekt ist und anstatt mich von den anderen Abzugrenzen, zähle ich mich ehrlicherweise dazu. Du hast recht, dass sich daraus das Problem ergibt, dass es gar keine Vorbilder gibt die uns die gute Einstellung vorleben. Das kritisiere ich auch. Deswegen versuche ich selbst ein Vorbild zu sein, aber ich denke, dass der erster Schritt dazu ist, dass ich meine und unsere Schwierigkeiten anspreche, sie reflektiere, sie kritisiere. Jeder sollte das machen, denn wenn wir ehrlich sind ist keiner von uns perfekt.
Wenn wir jetzt konkret den Pool ansprechen, so war das vielleicht ein schlechtes Beispiel. Aber vielleicht beneiden wir viel schneller als wir es denken. Einer der nicht viel verdient aber trotzdem genug hat braucht sich beispielsweise keine großen Sorgen ums Geld machen. Das ist eine große Erleichterung! Da könnte es andere geben die zwar normal verdienen aber beispielsweise viele Kinder zu versorgen haben und deswegen dauernd aufs Geld schauen und auf den Urlaub verzichten müssen. Da kann schon ganz leicht Neid entstehen.
Wie gesagt versuche ich mir das bewusst zu machen und Dankbar anstatt Neidisch zu sein. Danke auch für deine Ermutigung dazu, denn genau das wollte ich ja eigentlich sagen, man soll seinen Neid abstellen.


#79

Ich mag diese Understatements nicht. Sich kleiner und schlechter machen als man ist. Wir sollten immer noch bei der Wahrheit bleiben. Ich hasse es wenn Prediger sagen wir sind ja so und so und dann irgendwelche schlechten Eigenschaften aufzählen. Wir sind neue Kreaturen, das scheinen einige noch nicht kapiert zu haben und bleiben bei der Beschreibung des alten Menschens hängen.


#80

Hallo Erich,

ich sehe den Glauben als ein Geschenk an.
Ich kann nicht aus mir selbst heraus glauben. Aber ich habe die Freiheit, das Geschenk anzunehmen oder abzulehnen.

Gott kann Herzen verstocken. Aber ich kann auch aus eigenem Willen heraus Böses tun.
Sonst wären wir ja Marionetten.

Jetzt aber zum nächsten Satz.

Unser tägliches Brot gib uns heute
Herr, ich bitte dich um das, was ich für den heutigen Tag brauche:
Wasser und Nahrung
Kleidung und ein Dach über dem Kopf
(und ich danke dir von Herzen dafür, dass ich diese Dinge bisher immer ausreichend hatte).
Ich bitte dich für den heutigen Tag um Liebe zu Dir, meinen Mitmenschen und mir selbst.
Bitte gib mir heute die Kraft, dir nachzufolgen.
Ich bitte dich für heute um deine Gnade und deinen Segen.