Demokratie, aber wie?


#1

Gruß in die Forenrunde.
Mich beschäftigt derzeit die Frage: Demokratie, aber wie? In unserer deutschen, demokratischen Republik. :sunglasses:

Wir leben in einer repräsentativen Demokratie, dass heißt, man wird durch die Abgeordneten repräsentiert. Trotzdem ist das Volk der Souverän. So wie früher der Kaiser. Mich erinnerte das an des Kaisers neue Kleider. Ein Hauptproblem des Kaisers war ja, dass er sich um alles andere, nur nicht um die Regierungsgeschäfte kümmerte. Das wurde ihm zum Verhängnis.

Im Grunde geht es dem Volk doch heute aber genauso. Man ist mit Arbeit, Familie und dem täglichen Leben so beschäftigt, dass man für die Regierungsgeschäfte keine Zeit mehr hat.

Wie findet ihr unser derzeitiges Regierungssystem?
Wünscht ihr euch mehr Mitbestimmung oder lieber weniger?
Würdet ihr lieber etwas verändern oder ist alles OK?
Wenn ihr etwas ändern wollen würdet, was wäre es und warum?

Bin gespannt auf eure Antworten.

Gottes Segen! :slight_smile:


#2

Von einem wirklich “Verhängnis” berichtet dieses Märchen gar nichts. Hier geht es lediglich um die Leichtgläubigkeit angeblicher “Autoritäten”, in gleicher Linie wie “Kleider machen Leute” oder “Der Hauptmann von Köpenick”.

Mag ja bei Dir anders sein, aber “Regierungsgeschäfte” habe ich keine zu führen. Hatte ich auch noch nie.

Vermutlich mit einem Navi oder dem Stadtplan von Berlin.

Wie würdest Du Dir “mehr Mitbestimmung” denn vorstellen? Dass jeder Bürger bei wichtigen Vorhaben, beispielsweise Gesetzesänderungen, gefragt würde? Denkt man mal konsequent durch, was das zur Folge hätte: Würde man so handeln und sich dann nach dem bekundeten Willen der Mehrheit richten, bliebe eine ziemlich große Minderheit unberücksichtigt und es gäbe keine Möglichkeit zu Kompromissen, die einer größeren Menge etwas bringen könnte. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Unzufriedenheit kommt, würde steigen.

Ich wünsche mir überhaupt keine Mitbestimmung, sondern einen Souverän, der für alle Menschen gerecht entscheiden und regieren kann. Dass es das “hienieden” nicht gibt, ist mir klar.

Ich wüsste nicht was, denn wenn Du an dieser Stelle schraubst, ist ein andere Teil unzufrieden.

Jesus bitten, endlich sein Reich aufzurichten - z.B.


#3

Bist du also Anarchist?


#4

Anarchie würde bedeuten, dass es keine Herrschaft gibt. Insofern bin ich ganz sicher kein Anarchist, denn ich sehne mich nach der Herrschaft Jesu. In meinem ganz persönlich Leben erlebe ich die auch - und das eröffnet den Blick für das Dilemma, in dem wir leben. Wir leben eben noch “in der Welt” obschon wir nicht mehr von dieser Welt sind. Und weil ich weiß, dass dieses “in der Welt” endlich ist, sehe ich keinen Grund, dieses System mehr als notwendig zu (unter)stützen. Die herrschenden politischen Systeme sind darauf ausgerichtet, Menschen unter Kontrolle zu bringen und sie auszubeuten. Sie mögen “in der Welt” notwendiges Übel sein - aber mich darin zu engagieren, sie zu stützen, kann nicht meine Aufgabe sein.


#5

Hallo lütt-matten,

im Grund fand ich die Idee von direkter Demokratie, vor allem im digitalen Zeitalter, als attraktiv und auch machbar. Mit einem Breitbandanschluss braucht man keine Fernseh-Teams und Kommentatoren mehr, um dem Regierungsgeschehen zuzusehen. Die Piraten-Partei hatte solche Konzepte mal in die Debatte gebracht.
Allerdings käme das einer Art “Pöbel-Herrschaft” gleich. Also da wäre mein Vertrauen in die Gewissenhaftigkeit der Wähler nicht sonderlich größer als mein Vertrauen in deren Repräsentanten.

Eigentlich müsste man sich viel eher fragen, was mit dieser Demokratie falsch gelaufen ist… wo liegt die Ursache dafür, dass wir heute darüber debattieren, wie Demokratie überhaupt funktionieren kann. Warum fragen wir nicht, warum sie heute (anscheinend) nicht mehr (so gut) funktioniert?

Ich glaube, dass die größten Probleme einem Werte-Wandel geschuldet sind. Schließlich sind unsere Institutionen unter ganz bestimmten Werten und Vorstellungen ins Leben gerufen worden. Ändern sich gewisse Werte in unserer Kultur, sind auch unsere Institutionen überholungsbedürftig. Z.B. der sog. Multilateralität (Internationale Zusammenarbeit). Sie umgeht und/oder beeinflusst die Gesetzgebung zwangsläufig in der Art, dass nationale Interessen den Internationalen Interessen geopfert (oder weniger gewichtet) werden müssen. Und das ist streng genommen nicht mit der demokratischen Verfassung (bzw. Grundgesetz) vereinbar. Unsere Repräsentanten sind dem hiesigen Volk (bzw. seinen Bürgern) verpflichtet. Niemandem sonst. Daher ja auch der Ruf nach dem Transfer von Verantwortung. Entweder oder.

So wird auch der Migrationspakt (so nobel er auch sein mag), genau wie das “Klima-Abkommen” stets dazu führen, Nachteile für die Gemeinschaft in Kauf zu nehmen. Das funktioniert aber nur so lange wirklich ALLE in diesem Sinne handeln. Eine Kette ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. Sobald sich nicht mehr alle an die freiwilligen Vereinbarungen halten, geht die gesamte (beabsichtigte) Funktionalität flöten. Und so wie komplexe Themen immer zerredet werden, wird man das durch Politik niemals wieder heilen können.

Aus meiner Sicht muss die Hierarchie so flach und kurz wie möglich gehalten werden. Sie müssten sich gegenseitig respektieren und achten, auch wenn sie mal einen Vertrag nicht unterschreiben wollen. Die stehenden Heere sollten aufgelöst werden, und statt dessen die Bürger (oder wenigstens die städtischen Gemeinden) in die Lage versetzt werden, sich im Notfall zu wehren. Und am wichtigsten fände ich ein Verbot von organisierten Parteien, und allem was an deren Steuerzuwendungen abhängt (die sog. “Zivilgesellschaft”). Sie sind es - in meinen Augen - die, nur mit ihren Interessen und Zielen im Blick, den größten Einfluss auf den Meinungsbildungsprozess ausüben.

MfG


#6

Als Einflechtung hierzu jene Vereinbarung „General Comment 36“, die gerade erst am 30. Oktober 2018 in der UNO vereinbart wurde. Sie bestimmt, dass das Recht der Frau auf Selbstbestimmung nicht durch das Recht des Ungeborenen auf Leben beschränkt werden dürfe. Das Recht von Ärzten und Krankenschwestern, sich nicht an Abtreibungen zu beteiligen, wird als “Hürde” klassifiziert.
Solche außerhalb demokratischer Gremien klammheimlich geschlossenen Vereinbarungen, die in die Gesetzgebung von Staaten einfließen sollen, ohne dort eine gesellschaftliche Debatte zu ermöglichen (ähnlich der “Ehe für alle”), untergraben das Vertrauen in Demokratie und Staat erheblich.


#7

Die Frage ist ja nun ausgesprochen einfach zu beantworten. Keine wie auch immer geartete, menschliche Regierungsform kann auf Dauer gut gehen.

Allein Jesus Christus ist der König.


#8

Hallo teoma,

wir sind ja zwei Menschen, die - wenigstens oberflächlich - selten der selben Meinung sind. Wie denkst du, könnten am Beispiel der Abtreibung, gegensätzliche Meinungen in einer “Einheit” (Staat, Gemeinde/Kirche) harmonisiert werden?
Ich selbst glaube, bzw. hoffe, dass eine solche Einheit wesentlich flexibler ist, als man das manchmal denkt. Aber es gibt doch - für jeden individuell - eine Grenze. Solche Fragen fließen ja nicht selten in die Institutionen einer Gemeinschaft (wie z.B. die Ehe, Familie, Krankenhäuser, Gerichte).

Glaubst du, dass solche Gewissensentscheidungen, eine Ausgrenzung (auch moralisch) rechtfertigt?

MfG


#9

Wir haben in D ein hervorragendes Grundgesetz, weil es auf christliche Werte aufbaut. In Bayern eine ebenso grandiose Verfassung. Es würde genügen sie in dem Geist umzusetzen, in der sie geschrieben und dabei muss man nicht einmal gläubig sein, dann wäre Abtreibung gar kein Thema, weil ungesetzlich. Es ist die Sünde, welche die Gesellschaft verändert, deren Definitionen und Interpretationen und nicht zuvorderst deren Gesetze.

Eine Einheit von Staat und Kirche ist immer schädlich und unnötig. Die meisten Staaten in Europa bauen sowieso auf Werte auf, die sie sich nicht selbst gegeben haben und geben konnten. Es genügt für Christen diese Werte als Zeichen zu leben und sie stets der Gesellschaft anzumahnen.

Einzig Einheit in Christus ist uns Christen aufgetragen. Gemeinsam sind wir Licht und Salz der Welt, denn wir leben in der Welt, aber sind nicht von der Welt. Diese Einheit kann Christen das Gewicht geben (denn es ist der Leib des Herrn!), christliche Werte authentisch in die Gesellschaft immer wieder einzubringen und zu mahnen, wo sie fehlen. Christen haben Verantwortung in der Welt, weil Gott sie so sehr liebt, dass er seinen einzigen Sohn sendete, aber nicht die Aufgabe hier ein weltliches Reich zu bauen.

Es heißt nicht umsonst: “Halte dich von Menschen fern, deren Gott nur auf Erden weilt, aber fürchte jene, deren Gott nur im Himmel wohnt.”

Die Frage habe ich nicht recht verstanden. Wer grenzt aus?
Was Christen betrifft: Liebe hat nicht die Aufgabe Menschen ein- oder auszugrenzen. Als Christ hat man jedoch die immerwährende Aufgabe die Sünde und das Böse bei sich und anderen ein- und auszugrenzen.

Salve


#10

Scheiße das in Ö, Scheiße zum Quadrat eures in der BRD

Mitreden will jeder.

Ich würde alles ändern.

Man müsste die Nation erst mal abfackeln um sie neu aufzubauen. Also ist es eine Illusion. Und heute habe ich ohnehin das Wort Gottes, dass es einmal so kommen wird. Somit stimme ich mit arved überein, sich dem Gebet zu widmen.


#11

Da bin ich ganz deiner Ansicht.


#12

Hi stereotyp,
da bin ich ganz bei dir, auch bzgl. der stehenden Heere.

Ich selbst denke, dass eine Demokratie Zeit braucht. Der Bürger, als Inhaber der Herrschaft, muss mehr Zeit bekommen, um sich mit Themen zu beschäftigen. Jeder Bürger bräuchte eine bestimmte Anzahl von Tagen, an denen er sich den politischen Fragen widmen kann. Ebenso bräuchte er mehr politische Bildung. Es braucht auch vor Ort “neutrale” Runden, in denen man Entscheidungen besprechen und treffen kann, wie früher in den Dörfern oder Kleinstädten. Von diesen Gremien ausgehend, könnte man dann gewählte und bevollmächtigte Vertreter in die nächst höhere Runde entsenden, die dann ihren Entsendern vor Ort auch rechenschaftsplichtig wären, was ja heute nicht der Fall ist.

Das Parteisystem finde ich wenig hilfreich. Der Wähler kann im Grunde innerhalb der Parteien gar nicht mitbestimmen und bekommt einfach nur die zu wählende Person vorgesetzt. Einer der jüngsten Abgeordneten wurde in M-V per Direktmandat von der Uni in den Bundestag gewählt. Wie kann das angehen? Was hat er geleistet? Wie hat er sich vor Ort beweisen können? Gar nicht! Die Partei hat einfach ein unbeschriebenes Blatt gesucht und sein Gesicht in Großformat auf die Plakate gesetzt. Dann machte er eine Haustürentour im Wahlkreis und das reichte. Aber mir nicht.

Gottes Segen! :slight_smile:


#13

Was mich stellenweise befremdet ist die Wahrnehmung der Demokratie in Verbindung mit Regierungsparteien, die über die Medien geradezu glorifiziert werden. Es geht immer nur um „Parteien“ und um „Demokratie“, die es zu erhalten und zu verteidigen gilt - natürlich immer gegen rechts. Der ganze Berliner Politikbetrieb kommt mir wie eine Posse vor. Als wäre es das höchste Gut des Menschen, sich der Hörigkeit eines Parteien-Wahlsystems zu unterwerfen.

Und ja: Jesus Christus ist der König aller Könige, der uns erwählt hat und von dem wir regiert werden - nicht umgekehrt. Nicht Parteien und Politikern gehört unsere Anbetung und Ehrfurcht, sondern Jesus!

Es ist so traurig zu sehen, wie Menschen immer wieder Parteien „huldigen“ und auf leere Versprechungen von Politikern und deren Programmen hereinfallen.


#14

Ja, aber eben nur pro forma halber.
Demokratie ist eigentlich ein hohler Begriff, ein Schlagwort, dessen Bedeutung kaum hinterfragt oder verstanden wird.

Im Grunde genommen haben wir gar keine Demokratie sondern eine Plutokratie!


#15

Vielleicht räumst du dem demokratischen Prinzip zuviel Bedeutung ein. Es ist auch nur eine “System”, weder besser noch schlechter als ein anderes, nur ein System.

Regiert wird ein Land nicht von einer Demokratie, das ist ein üblicher Fehlschluss, sondern von der eingesetzten Regierung, konkret von dafür bestimmen Menschen. Der Unterschied zu anderen Systemen ist nur das Zustandekommen dieser Regierungsmannschaft.

Wie gut und schlecht diese Regierung ist, wird heute vom Zeitgeist getrieben und nicht von der Demokratie. Selbst die Sharia ist davon ist betroffen. Der Zeigeist in diesen Systeme wird vom Islam getrieben, bei uns ist es der Humanismus, nirgends ist es Chrsitus. Nur das würde etwas ändern, werter Lütt, nur das!

Wer die Möglichkeit hat etwas positiv zuverändern, der soll das tun. Aber die Dinge, die ich nicht in der Hand habe, dafür muss ich mir nicht den Arsch aufreißen. Ich kann für das beschissene Sozialsystem ebenso wenig wie für die Hungertoten in anderen Ländern. Was ich nicht erlaube ist, mein Gewissen damit zu manipuieren.

Ich habe mich darauf konzentriert wo Gott mir Autorität zur Veränderung gibt. DIes fängt bei mir selbst an und endet bei meiner Familie. Und da tue ich eben, was ich kann. Am Arbeitsplatz habe ich keine Autorität große Dinge zu verändern.

Ich habe mich vor meiner Bekehrung politisch interessiert und war sogar zwei Jahre ein Parteimitglied. Was ich erreicht habe, war ein Straßeninterview vor laufender Kamera, das im TV (natürlich völlig zugeschnitten) ausgesendet wurde.

Weißt, was es verändert hat? Nichts, aber palavert wurde darüber groß und mächtig, weil ich ja DInge von mir gebe die unpopulär sind. Die Zeit nimmt ihren Lauf, wie Jesus es vorhergesagt hat. Ich orientiere mich heute nach Jesu Wort.


#16

Hallo Abischai,

wenn ich mal ein wenig Spitzfindig sein darf, würde ich sagen wir leben in einer Oligarchie. Das schließt den erkauften Zugang nicht aus, reduziert ihn aber nicht darauf. Schließlich ist es durchaus möglich, mit nichts weiter als Opportunismus an die Spitze zu gelangen (siehe z.B. Martin Schulz).

MfG


#17

Ja, du hast natürlich recht, und das ist auch die Krux an der Demokratie: wenn sich die Auffassung von Sünde ändert (z.B. durch einen Kulturwandel), ändern sich auch die Gesetze und Sünde wird nicht mehr aufgedeckt. Es ist aber nicht unsere Aufgabe, Gesetze zu formulieren. Sondern das Gewissen zu verändern. Und das geht nur, indem wir Menschen in die Gemeinde führen. Nicht, indem wir Christen (in) die Welt führen.

Also Hintergrund ist, dass du ziemlich oft von Aus- und Eingrenzung sprichst, und wenn ich dich richtig verstanden habe, darin ein großes Übel siehst. Nur, was braucht es denn, um “den Leib im Zaum” zu halten - also Einzugrenzen, um nicht ausgrenzen zu müssen? Die Menschen müssen eines Sinnes sein. Würde jetzt demokratisch beschlossen werden, dass Abtreibung verboten ist, dann wären Abtreibung (und alle die sie praktizieren) ausgegrenzt. Und das wäre - zumindest für die Abtreibungsgegner - moralisch gerechtfertigt.

Ich will dir damit sagen, dass Ausgrenzung eine zwangsläufige Folge von unterschiedlichen Auffassungen von Rechtmäßigkeit ist. Darum trennen sich Gemeinden und Menschen allgemein. Darum hat sich ein Parteisystem etabliert, weil Menschen mit gegensätzlichen Auffassungen keine gemeinsamen Gesetze/Grenzen haben können.

Und Ausgrenzung kann aktiv und passiv geschehen. Also ich kann ausgegrenzt werden, oder mich selbst abgrenzen. Das entscheidet sich einerseits daran, wer an der Macht ist, und andererseits daran, wer die engere Auffassung hat.
Die Befürworter von Abtreibung, grenzen dich als Gegner so gesehen nicht aus. Dir steht es ja frei, nicht abzutreiben. Aber verbietet man die Abtreibung, hat man diese/diesen “Sünde/Sünder” ausgegrenzt.

Darum fällt es mir immer so schwer, deinen Einwand mit der Ausgrenzung nachzuvollziehen. Die Sünde muss ausgegrenzt, und der Sünder muss ebenfalls entweder sanktioniert ([ lat. geheilt werden ] um die Einheit wieder herzustellen) oder ausgeschlossen werden.

MfG


#18

Ausgrenzung kann zur Herzenshaltung werden. Sie zeugt von fehlender Liebe, deshalb ist sie so gefährlich. Sie kann auf Glaubensgeschwister oder allgemein auf Andersdenkende/andere Kulturen/Menschen angewandt werden. Die Sünde wird gleich mitsamt dem Sünder ausgegrenzt, was sehr bequem ist.

Protestantische und mehr noch evangelikale Gemeinden grenzen sich untereinander und gegenüber der RKK gerne ab, sich ein- und andere aus. Sie tun das, indem sie sich auf die Wahrheit berufen, womit sie damit sagen: es gibt ca. 25000 sich widersprechende Wahrheiten, wie Gemeinden. Der Begriff Wahrheit wird hier diskreditiert und missbraucht, nur um eine lieblose Haltung als Elitechrist einnehmen zu können. In alten evangelikalen Traditionen eingebettet, wird dies gar nicht mehr wahrgenommen. Das Tragische dabei ist, dass es hier um den einen Leib des Herrn geht und es in dem einen Hl. Geist noch ausreichend Gemeinsamkeiten gibt, welche zwar die Liebe gerne finden würde, was aber der Hochmut bei Protestanten/Evangelikalen und Katholiken oftmals verhindert.

Hier trifft man auch auf die Weigerung, Christus auch im Leid nachzufolgen. Dem Leid, nicht die ganze Wahrheit erfassen zu können und mit Glaubensgeschwistern einen Leib bilden zu müssen, die Jesus auf eine andere Art erfahren, als man selbst und seine Gemeinde. Es fehlt einfach Demut. Ich hoffe die Kritik an uns alle, die wir uns Christen nennen, war deutlich.

Es wird dabei übersehen, dass gerade die Mehrheit an Evangelikalen und die RKK etwa was den Schutz des Lebens, Abtreibung, den Wert der Familie und Ehe etc. betrifft, kaum zu unterscheidende Positionen einnehmen, weil es eben Gottes Position ist. Die Abgrenzung zur Sünde ist hier einheitlich.

Das innerchristliche Hickhack, wer der Bessere und Frömmere ist, überschattet dies jedoch. Dabei ziehen sich gerade Protestanten und Freikirchler gerne in ihre polemische Komfortzone zurück, während Katholiken diese Glaubensgemeinschaften schlicht gar nicht beachten.

Was Einwanderung betrifft: Die Liebe als Christ kleidet Unbekleidete und nährt Hungernde, dort wo sich die Not akut ergibt. Ich denke, hier wird kein Christ widersprechen und man sieht es auch an all den vielen Ehrenamtlichen aus allen christlichen Konfessionen, die Seite an Seite arbeiten. Die wahre Liebe geht aber darüber hinaus: Sie hat den Gebenden ebenso im Blick, wie den Empfangenden, aber ihr Motiv ist ein gegensätzlich anderes, wie es etwa in extrem rechten Gedankengebäuden vorherrscht. Christen laufen hier Gefahr das Ergebnis anstelle des Motivs zu setzen und so bequem lieber dem Bösen folgen.

Salve


#19

Sorry, aber das ist mir viel zu undifferenziert. Deine Stellungnahme zur Ausgrenzung impliziert pauschal fehlende Liebe bei Christen, die sich gegenüber der Ökumene, anderen Religionen und Konfessionen abgrenzen. Deine liberale Einstellung in allen Ehren, aber ich denke nicht, dass das überall und in jedem Fall immer eine kluge und durchdachte Einstellung wäre.

Wenn wir Sünde kritisieren und beim Namen nennen, ist dies nicht mit Ablehnung bzw. Abgrenzung des Sünders gleichzusetzen; obwohl man sich gegenüber dessen Lebensstil abgrenzt. Das gleiche gilt für die Religion des Islam. Als Christen lieben wir Muslime, weil es Menschen sind, die von Gott geliebt sind. Als Christen lieben wir jedoch nicht den Islam und seine ideologische Doktrin, weil dieser dem Evangelium widerspricht. Ergo müssen wir uns zwangsläufig abgrenzen.

Das hat also überhaupt nichts mit fehlender Liebe zu!!!

Allerdings auch nicht wirklich was mit diesem Thema. Sorry, wollte das nur richtigstellen.


#20

Erst wenn du, wie hier, Dinge vermengst, die nicht zusammengehören, wäre ich undifferenziert. Hier sagst du doch dasselbe, wie ich es ausdrückte:

Es wäre sogar lieblos, Muslime nicht zur rechten Zeit (die der Hl. Geist festlegt), von Christus zu erzählen.

Nein, aber würde nicht dann die Liebe fehlen, wenn man Glaubensgeschwister ausgrenzt, nur weil sie nicht in der eigenen Gemeinde sind?

Aber OT, richtig.