Demokratie, aber wie?


#21

Sowas betrübt mich, zumindest in dieser generell formulierten Form.


#22

Also selbst wenn das zuträfe, was mir nicht bekannt ist, zeigt das doch in aller Deutlichkeit das Problem mit der Demokratie.
Wie könnten zwei Gruppen, in diesem Fall Christen, die diese Sünde ablehnen auf der einen Seite, und Menschen die Abtreibung befürworten, trotz dieser gegensätzlichen Auffassung von Sünde, “eins” sein - mit einer Stimme sprechen?
Je tiefer diese Gräben werden, je zahlreicher die Unterschiede, desto eher wird der Leib/Staat unregierbar.

MfG


#23

Das verlangt in einem säkularen Staat doch keiner.
Christen müssen untereinander eins sein, das ist Jesus Gebot. Im Bezug auf Abtreibung sind die RKK, manchmal Protestanten und die meisten Freikirchen eins, zumal es zu diesem Thema gar keinen Spielraum gibt.

Eine Demokratie hingegen lebt davon uneins zu sein, d.h. verschiedene Meinungen gelten zu lassen und diese entweder mehrheitlich oder als Konsenz in die Gesellschaft einzubringen. Die Christen haben in ihrer Einheitlichkeit und in Bezug auf die Basis der Wahrheit, die sie vertreten, diese in eine Demokratie einzubringen.

Kirche/Gemeinde jedoch ist keine Demokratie. Hier wirkt die von Gott geschenkte Hierarchie, in der ein Erster Diener aller ist.

Salve


#25

Hallo teoma,

wahrscheinlich habe ich den Vergleich mit der Gemeinde ein wenig überstrapaziert. Was ich sagen wollte war lediglich, dass es Positionen gibt, zu denen es keinen richtigen Kompromiss geben kann.
Und man sieht es ja in der aktuellen (eher ausbleibenden) Debatte, dass manche Ansichten von den Regierenden eher “geheilt” als debattiert werden wollen.

Wahrscheinlich ist das ein weiteres Problem der (bzw. unserer) Demokratie. Umstrittene Fragen erhalten nicht genügend Zeit (wie @luett-matten schon andeutete) um debattiert zu werden. Die Mehrheitsverhältnisse können zu bestimmten Fragen in solch einem Parteisystem nicht geklärt werden.

An dieser Stelle wäre ich mir auch nicht so sicher. Zumindest stelle ich einfach mal in Frage, ob Verbote (bzw. Gesetze) allgemein als christlich gelten können? Oder ob es richtig sein kann, NICHT-Christen christliche Gebote aufzubürden. Das würde im Grunde nichts ändern. Geheilt wären Sünden aus christlicher Sicht doch erst, wenn sie als falsch anerkannt und vermieden werden.
Irgendwie interessant, dass sich so gesehen die Demokratie mit seiner Absicht, den Volkswillen zu “heilen”, eher wie eine Gemeinde verhält. Und die Gemeinde mit seiner Absicht, die Wahrheit in Gesprächsrunden zu finden, die Demokratie nachahmt.

MfG


#26

Manchmal ist es auch so, dass die Mehrheit nicht unbedingt das will, was der Gesellschaft und der Menschenwürde gut tut. Debatten und Politik werden immer mehr mit Emotionen durchgeführt, als mit Vernunft und Weitblick, zumal auch Fundamente wegbrechen. Die Fundamente wären im Grundgesetz verankert. Dagegen drängt jedoch oftmals der “Zeitgeist”, oder nennen wir es auch die Sünde.

Ich sehe die (10) Gebote keinesfalls als Verbote. Es sind Weisungen des Schöpfers der Menschheit, damit Beziehung funktioniert oder weiters: Sie schaffen Räume zur Freiheit des Menschen, in denen seine Würde und seine Bestimmung nicht in Frage gestellt werden.
Vorteilhaft wäre es, wenn Christen vermehrt darüber sprechen würden, wofür sie stehen und nicht ständig mit den moralischen Zeigefinger Verbote aussprechen, d.h. wogegen sie sind.

Eine gute Beobachtung. Demokratie versucht eine Gesinnung/Herzenshaltung in die Gesellschaft zu implementieren (was nicht ihre Aufgabe ist) und Gemeinden versuchen Gebote Gottes in einem Stuhlkreis zu definieren und darüber abzustimmen. Jeder nimmt Elemente der Anderen, anstatt die ureigensten Stärken zu nützen: Dort weltliche Gerechtigkeit durch Gespräch und Konsens, hier Gerechtigkeit durch Gott und damit aus Liebe.

Salve


#27

Absolute Zustimmung!

Tja… dieser Herausforderung stelle ich mich schon seit einiger Zeit. Ist leichter gesagt als getan. Insbesondere, weil sich die Folgen der Postmoderne gerade erst entfalten.

Aber es freut mich, dass wir beide mal ein Gespräch in Eintracht beendet haben :grinning:

MfG


#28

Hätten die Bewohner der Städte Sodom und Gomorra öfter den Zeigefinger erhoben, die Städte gäbe es wahrscheinlich noch heute. Die damaligen Leute waren wahrscheinlich ganz lieb zueinander, Männlein liebten sogar Männlein, Weiblein liebten Weiblein.

Von eben solcher Liebe sind offenbar die Politiker erfüllt, die in der “Ehe für alle” die erwünschte Freiheit sehen.


#29

Wenn, dann hätte Lot den Zeigefinger erheben müssen. Aber die haben ja eh nicht auf ihn gehört, weil er nur ein Fremder war. Die waren überhaupt nicht ganz lieb zueinander, sondern haben jeden Störenfried vergewaltigt oder dem Hungertod überlassen. Lot versuchte einfach nicht aufzufallen, aber er quälte jeden Tag seine Seele. Kein einziger Gerechter war in Sodom, denn Abraham hat umsonst mit Gott um Sodom gerungen, weil er wusste, dass auch Lot dort wohnte, aber keiner von ihnen war. Sexueller Missbrauch ist psychische Zerstörung. Wie kann man das mit “liebhaben” gleich setzen ?

Gruß, Sven


#30

Das hat Lot mit Sicherheit getan, wie dem 19. Kapitel von 1. Mose zu entnehmen ist.

So ungemütlich kann es in Sodom nicht gewesen sein, weder Lots Schwiegersöhne noch Lots Frau wollten die Stadt verlassen. Als Störenfriede betrachtete man die beiden Gesandten nicht, sondern wegen ihres guten Aussehens eher als Objekte der Begierde.

Lot war mit Sicherheit kein Feigling, wies der Schrift zufolge die Mitbürger auf ihr Fehlverhalten hin.

Das ist in heutigen Städten nicht viel anders, auch nicht in solchen mit christlicher Bevölkerung. Selbst der “Antichrist” kann über die Völker nicht ohne die Beachtung gewisser Regeln des Zusammenlebens herrschen. Die während den letzten Tagen lebenden Menschen - eben die jetzigen - empfinden durchaus Liebe für einander. Doch mit der Beachtung des göttlichen Gesetzes ist eben mehr gemeint.

Ich hätte dazu schreiben sollen, dass das ironisch gemeint ist…


#31

Hallo H-C-Noir,
für Einheimische war es sicher nicht ungemütlich. Speise in Fülle und sorglose Ruhe hatten sie, wie Hesekiel sagte, doch die beiden waren Fremdlinge und damit fing der Spaß erst an, denn diese Orten waren fremdenfeindlich. Während sie das Gastrecht auf das schändlichste brachen hatte Lot ohne sein Wissen Engel beherbergt.

Hebräer 13, 2
Vernachlässigt nicht die Gastfreundschaft; denn durch sie haben etliche ohne ihr Wissen Engel beherbergt.

Wenn man an die Nächte 1992 in Rostock-Lichtenhagen zurückdenkt, als man dort das Wohnheim der Vietnamesen stürmen wollte und es mit Molotowcocktails in Brand steckte, während die Menschen darinnen Todesängste ausstanden, das war wohl eher die Situation der Städte Sodom und Gomrra.

Die Sünde Sodoms wird in der Bibel nocheinmal genauer beschriebne.

Hesekiel 16, 49
Siehe, das war die Sünde deiner Schwester Sodom: Hochmut, Speise in Fülle und sorglose Ruhe wurde ihr und ihren Töchtern zuteil; aber dem Armen und Bedürftigen reichten sie nie die Hand, sondern sie waren stolz und verübten Greuel vor mir; deswegen habe ich sie auch hinweggetan, als ich es sah.

Und auch Jesus nutzte das Beispiel so.

Matthäus 10
11 Wo ihr aber in eine Stadt oder in ein Dorf hineingeht, da erkundigt euch, wer es darin wert ist, und bleibt dort, bis ihr weiterzieht. 12 Wenn ihr aber in das Haus eintretet, so grüßt es [mit dem Friedensgruß]. 13 Und wenn das Haus es wert ist, so komme euer Friede über dasselbe. Ist es aber dessen nicht wert, so soll euer Friede wieder zu euch zurückkehren. 14 Und wenn euch jemand nicht aufnehmen noch auf eure Worte hören wird, so geht fort aus diesem Haus oder dieser Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen! 15 Wahrlich, ich sage euch: Es wird dem Land Sodom und Gomorra erträglicher gehen am Tag des Gerichts als dieser Stadt.

Also lasst uns in der Gastfreundschaf nicht müde werden.

Gottes Segen! :slight_smile: