Die "Wende" verstehen


#1

Zuweilen haben auch Nichtchristen tiefgründige wahre Einsichten, wie in Michael Ende’s “Unendliche Geschichte”, Kapitel 20 (T) zu sehen, welches vom Kampf zwischen Bastian Balthasar Bux und der bösen Zauberin Xayide handelt. Dort glaubt der Held Bastian, Xayide besiegt zu haben, während in Wirklichkeit Xayide ab diesem Zeitpunkt die geistige Kontrolle über Bastian erhält. (Inhalt bitte nicht mit einem schlechten Film gleichen Namens verwechseln)

Im kalten Krieg vor der Wende 1990 gab es den westlich beeinflussten Helden ONU UNO, und die marxistische Internationale, mit ihrer aussagekräftigen Hymne:

“Uns rettet nicht ein fremdes Wesen / nicht Gott, noch Kaiser, noch Tribun:
wolln wir vom Joche uns erlösen, / müssen wir das selber tun!”

Aber irgendwann merkte die sowjetische Führung, dass sich die beiden Systeme in ihrer ideologischen Zielsetzung eigentlich sehr ähnlich waren. Der Gegensatz wurde überflüssig, nun heißt es:

“Völker hört die Signale, / auf zum letzten Gefecht!
die internationale UNO / erkämpft das Menschenrecht.”

Wer hat hier wohl gesiegt, und wer ist unterlegen?


#2

ONU = UNO ??

Ich finde diese Fragestellung interessant, aber mich irritiert der Blickwinkel.

Die Sowjets haben nicht ihre Zielsetzung geändert, sondern sind an der Marktwirtschaft gescheitert, auf die selbe Weise wie Südafrika gerade daran scheitert, und mussten ihre Strategie ändern - wie China. Man kann das Bürgertum nicht einfach auflösen und davon ausgehen, man würde im Paradies landen.

Verlierer ist immer das Individuum. Wer glaubt, sein Menschenrecht würde von einer Institution verliehen, statt von Gott, gibt dem Leviathan (dem Tier aus dem Völkermeer) Macht und Ehre.

So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!

Matthäus 22, 21

MfG


#3

Ich meinte keine ideologische Änderung. Mit der Zielsetzung meinte ich, wie die Hymne andeutet, “Erlösung vom weltlichen Elend durch menschlich erdachte Anordnungen”. Das dürfte die marxistische Zielsetzung schon immer und mittlerweile auch die westliche Zielsetzung sein.

So einen “Blickwinkel” kann vermutlich nur ein Christ haben. Aber das sollte dich doch nicht irritieren! :slight_smile:


#4

Hi Goswin,

alles klar… und ja, unbedingt. So gesehen ist der “Westen” unterlegen. Wobei ich es mir immer so vorkam, als würde der Westen mit sich selbst ringen. Der “Feind der Freiheit”, der Bolschewismus (“Wir sind mehr!”), hatte verloren, die DDR '89 gefallen. Und doch, kaum 30 Jahre später schicken sich Mittelschüler an, ein anderes Wirtschaftssystem zu fordern. Die einzige Opposition im Bundestag wird durch marodierende Horden an der Ausübung ihrer Rechte eingeschränkt und bedroht, während man im Bundestag ganz offen die Finanzierung eben jener Horden fordert und das ganze Zivilgesellschaft nennt.

Das erinnert mich an den Unterschied zwischen Georg Orwell und Aldous Huxley:

But in Huxley’s vision, no Big Brother is required to deprive people of their autonomy, maturity and history. As he saw it, people will come to love their oppression, to adore the technologies that undo their capacities to think.

Aber in Huxley’s Vision ist kein ‘großer Bruder’ notwendig, um die Menschen ihrer Autonomie, Mündigkeit und Geschichte zu berauben. So wie er es sah, würden die Menschen ihre Unterdrückung lieben lernen, mehr noch die Technologien, die ihre Fähigkeit zu denken rückgängig machen.

MfG