Hebräisch für Anfänger


#21

Pi-Hahirot = פי החירת

פ = p
י = i

ה = h
ח = ch
י = i
ר = r
ת = t

Die Bedeutung dieses Namens bleibt dem deutschen Leser leider verborgen, obgleich er der Geschichte eine besondere Dynamik und Spannung verleihen könnte.

Pi = פי meint Mund oder Öffnung und Hahirot = הַחִירֹ֔ת wird mit Freiheit übersetzt.

Als der Pharao hinter dem Volk herjagte, da lagerte es also am Mund der Freiheit oder dem Ausgang der Freiheit, wie es die jüdische Seite chabad.org erklärt, der sich aber noch nicht geöffnet hatte.

  1. Die Spaltung des Schilfmeeres bewirkte zwei Dinge: a) mit der Spaltung des Schilfmeeres wurde der Auszug aus Ägypten abgeschlossen, denn obwohl vor diesem Zeitpunkt die Juden schon Ägypten verlassen hatten, und obgleich sie schon in „Pi ha Chiroth“ (hebr. dem Ausgang der Freiheit) lagerten, so jagten ihnen doch die ganze Zeit Pharao und seine Soldaten nach.
    https://de.chabad.org/library/article_cdo/aid/669672/jewish/Pessach-Die-Kraft-in-unseren-Seelen.htm

Übrigens scheint die Apostelgeschichte diesen Punkt aufzugreifen. Als Petrus über Passah ins Gefängnis geworfen wurde, wurde er, genau wie das Volk damals in Ägypten, mitten in der Nacht durch den Engel befreit.

Das eiserne Gefängnistor wurde für Petrus zum Pi-Hahirot = פי החירת, zum Ausgang der Freiheit, der aber noch verschlossen war, wie damals auch das Schilfmeer, und sich dann von selbst öffnete und eine Gasse freigab, durch die man den Verfolgern entfloh. :slight_smile:

Apostelgeschichte 12
7 Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.
8 Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich und zieh deine Schuhe an! Und er tat es. Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um und folge mir!
9 Und er ging hinaus und folgte ihm und wusste nicht, dass das wahrhaftig geschehe durch den Engel, sondern meinte, eine Erscheinung zu sehen.
10 Sie gingen aber durch die erste und zweite Wache und kamen zu dem eisernen Tor, das zur Stadt führt; das tat sich ihnen von selber auf. Und sie traten hinaus und gingen eine Gasse weiter, und alsbald verließ ihn der Engel.

Hallelujah! :slight_smile:


#22

Die Kinder Israels zogen aus von Ramses nach Sukkot.
Ramses = רעמסס

ר = r
ע = a
מ = m
ס = s
ס = s

Man denkt sofort an den gleichnamigen Pharao, doch in der Bibel ist es nicht der Name eines Menschen, sondern eines Ortes, zu dem es eine interessante Lesart gibt.

Ra = רע bedeutet das Böse und m’ses = מסס heißt schmelzen

Im Judentum erklärt man dies wie folgt:

„Sie wanderten von Ramses nach Sukkot.“ Das Wort „Ramses“ bedeutet, dass das Böse bereits geschwunden war (das m’ses in „Ramses“ ist von kehamas donag, „so wie Wachs schmilzt“, abgeleitet), denn die Juden hatten die Grenzen (mizraim) und Einschränkungen (meizarim) Ägyptens bereits hinter sich gelassen.
https://de.chabad.org/library/article_cdo/aid/5282/jewish/Von-Ramses-nach-Sukkot.htm

Die Kinder Israels zogen am fünfzehnten Tag des ersten Monats; am Tag nach dem Passah, von Ramses aus.

Was ist das Besondere daran?

Es ist der Tag der Kreuzigung Jesu Christi, als das Böse Ra = רע schmolz m’ses = מסס und seine Macht verlor.

Hallelujah! :slight_smile:


#23

Es ging nicht um einen Missionsauftrag oder um das Evangelium.
Ihrem Beitrag entnehme ich, dass Sie weder die Grundlagen der Textüberlieferung noch meinen Sarkasmus verstehen. Selbstverständlich weisen die masoretischen Codices antichristliche Tendenzen auf. Genau diese Texte sind aber die Grundlage ihrer Bibel, die Sie bei Ihnen daheim haben. Einen Protomasoretischen Text kann man nicht “anders” übersetzen, weil es den Protomasoretischen gar nicht gibt. Es gab ihn. Deshalb “proto”, er war der ursprüngliche (protos = erster) Text des hebräischen AT. Was wir haben sind die LXX und den Masoretischen Text. Diese zwei können wir vergleichen. Wenn wir diese zwei vergleichen, dann zeigt sich, dass Jesus und die Apostel die LXX (welche nunmal die griechische Übersetzung ist) öfters benutzt haben. Das zeigt, dass Luthers Annahme falsch ist, die im Eingangspost des Themenerstellers enthalten ist. Darauf bezog sich mich mein Argument. Ich weiß nicht, woran Sie gedacht haben.

Das hebräische “almah” bedeutet “junge Frau”. Meine Wörterbücher/Quellen kann Ihnen nennen. Das Hebräische ist überhaupt nicht meins, aber Griechisch kann ich. Matthäus passt zu unserem Beispiel. Welches Wort hat er, inspiriert durch den Heiligen Geist, benutzt? Παρθένος (Parthénos), welches “Jungfrau” bedeutet. Eine Frau, die bisher noch keine sexuelle Beziehung hatte. Das ist das Wort der Septuaginta. Ihre ursprüngliche Bedeutung oder welche auch immer Sie bevorzugten wird nicht von Matthäus und dem Hl. Geist unterstützt.

Deshalb ist es einfach nur falsch, sich nur auf das hebräische AT zu verlassen, um es angeblich besser zu verstehen. Es hilft die jüdische Religion besser zu verstehen, nicht die christliche. Ein letztes Beispiel, um es klar zu verdeutlichen. Ich lade jeden Interessierten hier dazu ein, folgende Vergleiche durchzuführen:

In Hebräer 8,8-10 wird Jeremias 31,31-33 zitiert. Vergleicht in euren Bibeln (oder online…), die ihr zu Hause habt, ob der Autor des Neuen Testaments (inspiriert durch den Hl. Geist) das hebräische AT korrekt zitiert. Nicht nur Paulus im Hebräerbrief. Wie wir gesehen haben hat auch Matthäus die LXX bevorzugt.
Jesus Christus selbst, wie hat er Jesaja 29,13 im Markusevangelium 7,6-7 zitiert? Stimmen eure Passagen im AT mit den Zitaten im NT in den von mir genannten Textstellen überein? Ich könnte eine lange Liste mit weiteren Zitaten des AT geben, in welchem Jesus oder die inspirierten Autoren des NT das griechische AT zitieren, nicht die hebräische.

Ich hoffe das hilft den interessierten Lesern.


#24

Es ging um die Frage, ob man Hebräisch können muss.

Ja, aber wie gesagt, die Masoreten haben den Text bzw. seine Inhalte nicht erfunden. Wir wissen aber, was ihr eigener Anteil an den Abschriften ist.

Das ist ein Fehlschluss. Das hebräische AT lag damals in jeder Synagoge Judäas und Galiläas herum. Die LXX war nicht anerkannt. Diese Texte waren die Grundlage für AT Zitate im NT. Daneben wurden Inhalte des AT aber nicht immer nur abgeschrieben, sondern auch aus dem Gedächtnis zitiert. Man schleppte die Schriftrollen schließlich nicht immer mit sich herum. Dass dann für die Niederschrift des NT für diese aus dem Gedächntnis zitierten Stellen wiederum auf die Schriftquellen zurück gegriffen wurde, das ist nicht gesagt. Die Schreiber wollten schließlich nicht die Quellen als Textzeugen bestätigen, sondern nur an Sachverhalte erinnern, die schon in den AT Schriften standen, die den Empfängern bereits durch die Sabbatlesungen bekannt waren. Sie erwarteten von der Leserschaft sicher am wenigsten, dass sie in irgendwelchen Archiven nach Bestätigung suchten. Umgekehrt wäre es sogar möglich, dass Abschriften der LXX später durch AT Zitate im NT ergänzt wurden, weil man sie aus dem NT für zuverlässiger hielt. Aber das ist auch nur Spekulation. Wenn das NT mit der LXX in Passagen übereinstimmt, und das tun sie keineswegs immer oder exakt, dann deswegen, weil diese übersetzte Form die richtige Übersetzung des hebräischen Textes ist, der den Leuten damals zur Verfügung stand. Ganz gleich, ob sie nur aus dem Gedächtnis zitierten oder bei der Niederschrift exakt nach schriftlicher Vorlage vorgingen. Heute, mit Kenntnis der masoretischen Grammatik zu behaupten, dass das NT falsch übersetzt und/oder von der LXX einfach abgeschrieben wurde, ist ein simpler Fehlschluss, aber zumindest ohne korrekte Beweisführung. Die LXX ist sicher an vielen Stellen ungenau und insgesamt auch alles andere als einheitlich. Aber die Zitate betreffend handelt es sich um eine korrekte Übersetzung des hebräischen Textes. Daraus erklärt sich die Übereinstimmung von LXX und NT, nicht aus einer bloßen Abschrift.

Die Quellen hab ich selber. Die Vokabeln beziehen sich auf den masoretischen Text inklusive Punktation. Deswegen ist im Titel der Wörterbücher meist ein “zum AT” angehängt. Die Aufschlüsselung der Wortwurzeln für eine konkordante Definition ist nicht ihre vordergründige Aufgabe. Sie sind dabei dennoch eine Hilfe.

Ihre Behauptung ist ja nun, dass im Buch Jesaja keine Prophezeiung auf Jesus wäre. Die Argumentation ist etwas schwammig und damit leider auch suggestiv, lässt aber darauf schließen, dass Sie meinen, Parthenos sei keine gültige Übersetzung des hebräischen Almah. Konkordant gesehen ist es das auch nicht. Neben Parthenos übersetzt die LXX Almah noch verschieden :

  • Sprüche 30,19 : νεοτητι (Jugend)
  • 1.Mose 24,43 : αι θυγατερες των ανθρωπων της πολεως (Die Tochter der Männer der Stadt).
  • 2.Mose 2,8 : νεανις (jugendlich, Jungfrau - nicht sexuell konnotiert)

Damit ist aber noch lange nicht die Wortwurzel erschlossen.

Parthenos steht nicht für eine sexuell unberührte Frau, sondern für eine unverheiratete und für den heiligen Dienst abgesonderte Person, die kein “bürgerliches Leben” führt. Der Schwerpunkt liegt hier in keiner Weise auf der sexuellen Aktivität. Dieser Aspekt spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Maria war unverheiratet, sie gehörte keinem Mann. Das ist der wesentliche Aspekt der Prophetie. Durch Geschlechtsverkehr wird eine Frau nicht zur Ehefrau. Jedenfalls nicht im biblischen Denken. Das sind dann außerbiblische Konnotationen, die man in die Bibel hinein trägt.

Den Satz verstehe ich nicht ganz. Die ursprüngliche Bedeutung von Almha ist jedenfalls nicht die “junge Frau”. Das ist nur eine von mehreren möglichen. Nebenbei : Auch Bethula bedeutet nicht “sexuell unberührte Jungfrau”.

Was heißt “hebräische AT korrekt zitiert” ? Was soll denn bitte der Maßstab dafür sein ? Jedenfalls ist der Hebräerbrief hier auch nicht exakt deckungsgleich mit der LXX. Wenn sie aber deckungsgleich sind, dann deswegen, weil das eine weitgehend einheitlich gültige Übersetzung ist. Wem sollte denn eine Diversität in der Übersetzung geschuldet sein ?

Die Liste mit Abweichungen wäre ebenfalls nicht unwesentlich lang. Soll jetzt die statistische Mehrheit entscheiden ? Das ist doch Quatsch. Die Ähnlichkeit hat nichts mit Abschrift der LXX zu tun. Die Frage, wie die Übersetzer der LXX zu ihren Übersetzungen kamen, ist damit ja auch noch lange nicht geklärt. Ihnen durchweg Unekenntnis des Hebräischen zu attestieren wäre jedenfalls ebenfalls ein Fehlschluss.

Gruß, Sven


#25

Das hebräische AT lag damals in jeder Synagoge Judäas und Galiläas herum. Die LXX war nicht anerkannt.

Falsch. Der Jude Philon (20 v. Chr. - 50 n. Chr.) meinte nicht nur, dass die LXX göttlich inspiriert sei, sondern, dass sie dem hebräischen Text überlegen sei.
Sie haben wohl noch immer nicht verstanden, was an Ihrer Aussage falsch war. Zeigen Sie mir eine erhaltene Kopie des hebräischen AT, das damals in jeder Synagoge in Judäa und Galiläa vorlag. Sie haben keine? Dann hören Sie auf über die “Übersetzung” des hebräischen Textes zu schwadronieren, die wir nicht haben. Was wir haben ist ein hebräisches AT aus dem Jahr 1008. Mehr als 1000 Jahre nach Christus. Das lag Jesus und den Aposteln nicht vor.
Anhand dieser Aussage erkennt man schon, wie schlecht Sie Bescheid wissen. Ich mache Ihnen diesen Vorwurf, weil sie versuchen mit Autorität Dinge zu erklären, von denen Sie nicht wirklich viel wissen. Sowas kann ich nicht ab.

Ganz gleich, ob sie nur aus dem Gedächtnis zitierten oder bei der Niederschrift exakt nach schriftlicher Vorlage vorgingen

Was für einen Unterschied macht das? Man kann dennoch beweisen, ob der Autor eine Vorlage unserer griechischen LXX oder des Masoretischen Textes im Kopf hatte. Hat außerdem der Heilige Geist die Autoren nicht vor Fehlern bewahrt? Kleine Unterschiede sind ja okay. Ob φημί oder λέγω in Jeremias 31,31-33 benutzt wird, kommt auf das Gleiche raus. Außer Sie glauben nicht, dass die Bibel unfehlbar ist. Dann hat Paulus in Hebräer 8 wohl einen Fehler gemacht.

Ihre Behauptung ist ja nun, dass im Buch Jesaja keine Prophezeiung auf Jesus wäre.

Soll das ein Witz sein? Das habe ich nie behauptet.

Ihre Beispiele sind nichts wert, da wir keinen vollständigen Codex des Alten Testaments VOR Christus haben. Wir wissen, was die Quelle der LXX oder des MT war. Deshalb sind Ihre Aussage einfach nur falsch. Was wir wissen ist, dass die Quelle, aus der die LXX hervorkam deutlich näher an dem war, was die Autoren des NT verwendet haben. Daher ist die LXX “biblischer” als der MT, wenn man das so sagen kann.

Parthenos steht nicht für eine sexuell unberührte Frau, sondern für eine unverheiratete und für den heiligen Dienst abgesonderte Person, die kein “bürgerliches Leben” führt. Maria war unverheiratet, sie gehörte keinem Mann. Das ist der wesentliche Aspekt der Prophetie. Durch Geschlechtsverkehr wird eine Frau nicht zur Ehefrau. Jedenfalls nicht im biblischen Denken. Das sind dann außerbiblische Konnotationen, die man in die Bibel hinein trägt.

An dieser Stelle würden alle Kenner der griechischen Sprache über Sie lachen. Besonders im Lichte der Bibel. Dass das Unverheiratsein mit nicht-vorehelichem Sex Hand in Hand ging, beweist die Bibel, an welche Sie wahrscheinlich glauben.

  1. Korintherbrief 6,15-16: "Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? Soll ich denn die Glieder Christi nehmen und zu Gliedern einer Hure machen? Auf keinen Fall! Oder wisst ihr nicht, dass, wer der Hure anhängt, ein Leib mit ihr ist? ‘Denn es werden’, heißt es, ‘die zwei ein Fleisch sein’."

Paulus ist wieder auf meiner Seite. Dass Paulus hier, wie Jesus, Genesis 2,24 zitiert, das wissen Sie hoffentlich. Dann dürfte Ihnen auch klar sein, dass ein Mann durch Sex mit einer Hure “zu einem Fleisch” mit ihr wird, was Genesis und Jesus mit der Ehe verbinden.

Die ursprüngliche Bedeutung

Ich weiß nicht, wie viele Fremdsprachen Sie beherrschen, aber die ursprüngliche spielt oftmals keine Rolle. Bleiben wir bei der Bibel. Übersetzen Sie das Wort “ὑπακούω” doch einmal ins Deutsche. Bisschen blöd, wenn man die ursprüngliche Bedeutung heranzieht, oder? Ich bin mir sicher, dass die Deutschen keine Ahnung haben werden, was mit “unterhören” gemeint ist. Übersetzen Sie doch “διάβολος” mit Ihrer etymologischen Leidenschaft. Ich gehe jede wette mit Ihnen ein, dass kein Deutscher wissen wird, wer mit dem “Durcheinanderwerfer” gemeint ist. Es ist die wohl denkbar schlechteste Übersetzung für diabolos. Wie wäre ist mit αἵρεσις? Macht “Wahl” einen Sinn? Wieso verurteilt Paulus einen neutralen Begriff wie “Wahl”? Wir müssen bei der Übersetzung darauf achten, was diese Wörter in der römisch-griechischen und jüdischen Welt für eine Bedeutung hatten. κοινός (kommt in der Bibel mit beiden Bedeutungsmöglichkeiten vor) ist das beste Beispiel, dass es für Juden etwas etwas heißen konnte als für Römer oder Griechen.
Auch wenn Etymologie wichtig ist - ich persönlich liebe Etymologie -, basieren wir die semantische Bedeutungsmöglichkeiten nicht auf die Wurzel des jeweiligen Wortes. Absoluter Irrsinn.

Nachdem ich das alles geschrieben habe, zeigen Sie mir doch ein hebräisches Wörterbuch (ruhig auf Englisch), auf welchem Ihre angeblich richtige (und ursprüngliche) Bedeutung “eine Verborogene” verzeichnet ist. “Almah derives from a root meaning ‘to be full of vigour, to have reached puberty’.” (https://en.wikipedia.org/wiki/Almah)
“Almah: a young woman, a virgin, Word Origin: fem. of elem” (https://biblehub.com/hebrew/5959.htm)
Mir persönlich ist die hebräische Sprache egal, deshalb würde es mich stören, wenn ich hier falsch liegen würde. Es scheint aber so, dass Sie selbst hier falsch liegen.

Jedenfalls ist der Hebräerbrief hier auch nicht exakt deckungsgleich mit der LXX.

Das habe ich auch nie behauptet. Das Problem ist, dass “κἀγὼ ἠμέλησα αὐτῶν” (Hebräer 8,9) sich nicht im Hebräischen wiederfindet. Im Griechischen ist es fast wortgleich enthalten: “καὶ ἐγὼ ἠμέλησα αὐτῶν” (nach Rahlfs/Hanhart). Kai egw und kagw bedeuten das Gleiche (wie “für das = fürs”). Wir können also davon ausgehen, dass Paulus hier (ob vom Gedächtnis oder nicht) eine Vorlage der griechischen LXX hatte, die wir heute haben. Das heißt, dass unsere heute erhaltene griechische LXX näher am ursprünglichen AT ist als das Hebräische. Verstanden?

Meine Äußerungen klingen harsch, weil Sie wie jemand klingen, der mit ausreichender Autorität über diese Dinge sprechen kann. Ich traue mir das nicht einmal zu, obwohl ich mich seit Jahren mit der Bibel befasse. Was ich von Ihnen lese ist allerdings wahrlich ein Novum.
Würden Sie sich bescheidener geben, dann würde ich natürlich anders darauf reagieren. Ich finde es total in Ordnung, wenn jemand dazulernen will. Wer allerdings denkt, er wisse schon über einen bestimmten Sachverhalt alles, was es zu wissen gibt, den werde ich auch dementsprechend behandeln.

Gruß


#26

@NoxUltraNonErit
@sk35483

Liebe Geschwister im Glauben.
Eure ausführliche Debatte geht am eigentlichen Thema vorbei. Vielleicht könntet ihr ein neues Thema eröffnen und dort eifrig weiter debattieren.

Vielen Dank und Gottes Segen euch beiden. :slight_smile:


#27

Philon kann man wohl kaum als einen Stellvetreter des Judentums sehen.

Wenn Sie hier zu dem Rückschluss kommen, dass Jesus und die Apostel überhaupt gar keine Abschrift hatten, dann kann ich Sie nicht ernst nehmen. Ich “schwadroniere” über die Übersetzungen der AT Zitate im NT. Solange wir beide darüber reden, “schwadronieren” wir alle nur.

Nein, beweisen kann man da gar nichts. Wir haben nur einen griechischen Text einer zum NT gezählten Schrift vorliegen, von denen der Bezug zum AT aus mehreren Gründen relativ offensichtlich ist. Den “masoretischen” Text gab es vor 2000 Jahren nicht. Darauf haben Sie doch selber ausdrücklich hingewiesen.

Hier folgen Sie Ihrer eigenen Argumentation, aber nicht meiner. Klar macht es inhaltlich keinen Unterschied, ob da nun φημί oder λέγω steht. Nur, wenn der Autor doch die LXX schriftlich schon vorliegen hat, warum soll er dann absichtlich abweichen ? Weil er eben doch nur aus dem Gedächtnis zitiert ?

Ich weiß, was Sie geschrieben haben. Sie haben geschrieben, dass Matthäus die Jesaja Stelle nicht aus einer hebräischen Vorlage übersetzt, sondern lediglich von der LXX abschrieb. Dabei fügen Sie noch hinzu, dass er dabei vom Heiligen Geist geführt gewesen sei. Wenn Παρθένος im Kontext des Verses nun keine gültige Übersetzung des hebräischen Almah wäre, Matthäus aber vom Heiligen Geist geführt sei, führt diese Argumentation zwangsläufig zu dem Schluss, dass die ursprüngliche Intention der Jesaja Stelle nicht mit der des Matthäus übereinstimmen kann. Matthäus hatte dann die Jesaja Stelle lediglich aus dramaturgischen Gründen für sein literarisches Kunstwerk missbraucht. Hier dann noch alibimäßig das Wirken des Heiligen Geistes ins Spiel zu bringen halte ich für heuchlerisch.

Ja, WIR haben den nicht, aber Sie sagen auch, dass es sowas wie einen protomasoretischen Text gab. Das waren dann die Schriften, von denen die LXX übersetzte. Sie sagen nun, da WIR diesen Text nicht haben, hatten ihn auch die Apostel nicht. Und folglich konnten ihn auch die Masoreten nicht haben. Oder von was schrieben die ab ? Ach, die schrieben gar nichts ab, weil nichts da war ? Die haben sich den Text also einfach aus dem Kopf ausgedacht. Das ist die zwingende Essens Ihrer Aussage, die Sie hier präsentieren (was in Ihrem Kopf abgeht, das weiss ich nicht).

Das ist aber schon ein gewaltiger Unterschied zu der Behauptung, dass die LXX die Vorlage des NT gewesen wäre.

Bezogen auf das Gesamtwerk des MT, inklusive Punktation, Kommentare UND inklusive grammatisches Lehrwerk, das nicht genuin hebräisch, sondern beeinflusst von arabischer und griechischer Grammatik ist, bestimmt für die jüdische mittelalterliche Liturgie (siehe Paul Kahle - Masoreten des Ostens / Masoreten des Westens ; Siehe A.A.Fischer - Der Text des Alten Testaments, Kapitel 2,3), da geb ich Ihnen völlig Recht. Mit diesem MT, also mit diesem von den Masoreten zur christlichen Kirche oppositionell vorinterpretierten und dogmatisch fixierten AT, das heute Quelle sämtlicher Übersetzungen ist, damit haben die Zitate des AT im NT überhaupt nichts zu tun. Der MT in seiner Gesamtheit ist nicht das Wort Gottes, so wenig, wie eine deutsche Studienbibel das Wort Gottes ist. Wer vereinfachend vom MT spricht, der tut das suggestiv und manipulierend.

Sie setzen hier voraus, dass “anhängen” und “ein Fleisch sein” synonym für Geschlechtsverkehr steht. Das sieht Paulus aber überhaupt nicht so :

Epheser 5,30 Denn wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Fleische und von seinen Gebeinen. 31 “Deswegen wird ein Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und die zwei werden ein Fleisch sein”. 32 Dieses Geheimnis ist groß; ich aber sage es in Bezug auf Christum und auf die Versammlung.

Hier ist von der Gemeinde, dem Corpus Christi die Rede. Beschäftigen Sie sich mal mit dem Prinzip der Körperschaften und gesellschaftlichen Zusammenschlüsse. Das sind geistige Dinge, von denen man nur in Bildern sprechen kann, da sie fiktiv sind. Das AT, wie das NT ist voll davon. Wenn man das nicht versteht, erscheint einem vieles in der Bibel als “überirdisch” oder “gespenstisch”. Gefundenes Fressen natürlich für die, welche der Bibel und ihren Autoren die Glaubhaftigkeit abssprechen wollen und sie naserümpfend als Abergläubische darstellen.

Es geht hier doch nicht um alltagssprachlichen und stetigen Wandel unterliegenden Gebrauch. Das ist doch eine Banalisierung. Sie glauben doch an die Wirkung des Heiligen Geistes. Meinen Sie nicht, dass dieser die Autoren leitet, die Wörter in ihrer eigentlichen Bedeutung zu fixieren ? Nach welchem lustigen Zeitgeist sollten wir uns denn sonst richten ? Sie sagen doch selber :

Jüdische Welt, was ist das schon ? Die jüdische Welt steht in Wechselbeziehung zu den anderen Kulturen. Das ist eine andere Welt, als die der hebräischen Bibel. Jüdische Welt, das ist nicht gleich zu setzen mit Gottes Wort, das setzt die biblischen Autoren nur gleich mit anderen Autoren als Kinder ihrer Zeit. Jüdische Welt, das waren die Pharisäer und Schriftgelehrten. Jesus wies sie aber in Bezug auf ihr falsches Schriftverständnis zurecht. Natürlich ist es wichtig, die Jüdische Welt verstehn zu lernen, damit man die gleichen Fehler nicht wiederholt. Aber Sie Herr NonUltraNonExit, müssen sich schon entscheiden, ob Sie lieber Jesus folgen, oder doch ins Pharisäer- und Sadduzäertum zurück fallen wollen.

Natürlich ist das Irrsinn, wenn wir das auf erweiterte Wörter anwenden. Nur ohne an die Wurzel zu gehen, tappen wir eben nur an der Oberfläche herum. Und bevor Sie es vergessen : Ich bin es nicht, der die Diversität von Almah leugnet. Ich behaupte, dass Almah und Parthenos sich in der Bedeutung nicht ausschließen. Ich behaupte aber auch, dass Almah wortwörtlich weder Jungfrau, noch junge Frau bedeuten.

Schauen Sie mal, warum Moses Schwester als Almah bezeichnet wird. Was interessiert in diesem Kontext ihr sexueller Status ? Die Situation ist doch eindeutig : Keine der handelnden Personen wusste in diesem Kontext, wer sie ist ; dass sie die Schwester des gerade gefundenen Kindes ist. Ihre Identität war aus gutem Grund verborgen. Warum sonst die Heimlichtuerei ? Ja, klar, der Autor Moses, pardon, das unbekannte Autorenkollektiv, hat sich bei seiner rein literarischen Fiktion eben einfach nur ein bisschen in Gedanken verheddert. Kann schon mal passieren im Schatten der Mauern Babylons. Muss man nicht so ernst nehmen…

Aber gerne doch. Nehmen wir nicht irgendeins, sondern gleich den Gesenius. 18. Auflage von 2013, S. 972 unten rechts : עלם
Das ist die Wurzel von Almah. Schauen Sie genau hin ! Nicht עַלְמָה !
Die masoretische Punktation legt nicht nur die Aussprache allein fest, sondern sie fixiert das Wort auch in seinem Kontext. Die mit der Punktation ergänzten Wörter waren nicht als Lemma gedacht.

Wenn wir von der hebräischen Wurzel auf die griechische Wurzel schließen, dann können wir nur daneben liegen. Ebenso umgekehrt. Die Übersetzung von Almah mit Parthenos ist im Kontext richtig, aber eben auch nicht wörtlich. Ebenso ist die Übersetzung von Bethula, das weit öfter mit Parthenos übersetzt wird, auch nicht wörtlich. Von meinetwegen einem sexuell konnotierten Parthenos auf ein sexuell konnotiertes Bethula zu schließen, ist völlig behämmert. Ich kann Ihnen auch sagen, warum es dazu kam. Weil mehrfach von einer Bethula gesprochen wird, die noch keinen Mann erkannt hat. Wunderbar, hier haben wir also im selben Satz noch die Worterklärung ? Nein haben wir nicht ! Die Ergänzung betätigt eher, dass Bethula das im eigentlichen Sinne gerade nicht ist. Das nenne ich einen banalisierenden Fehlschluss.

Es gibt kein Problem. Im Hebräischen an dieser Stelle in Jeremia 31,31 : ואנכי בעלתי בם נאם יהוה

Die masoretische Punktation habe ich weg gelassen, wie ich das grundsätzlich zu tun pflege. Dem Verfasser des Hebräerbriefes, wie auch den Übersetzern der LXX lag dieser Abschnitt nur sehr wahrscheinlich in einem anderen Alphabet vor.

Jetzt kommt es darauf an, wie man dieses בעלתי interpretiert. Die Wurzel בעל bedeutet “besitzen”. Das findet sich sowohl im Namen Baal, wie auch in der Bezeichnung für Ehefrau wieder. Die Ehefrau ist der Besitz des Mannes. בעלת bedeutet nicht wortwörtlich Ehe-Frau, sondern (die von ihrem Herrn) Besessene. Im griechischen wird sowohl die Frau, als auch die Ehefrau einfach mit γυνη bezeichnet. Eine wortwörtliche Bedeutung aus dem Hebräischen ins Griechische wäre ein Durativ Passiv. Auch wenn das Griechische gerne Partizipien verwendet, so wäre das in diesem Falle völlig unüblich und unverständlich.

In Matthäus 10,25 nennt Jesus den βεελζεβουλ - Beelzebul (nicht Beelzebub) als οικοδεσποτης, als Hausherrn, - besitzer oder -herrscher. βεελ = בעל ; ζεβουλ = זבל = wohnen, Wohnung, Haus, ein Zuhause, Wohnort.

Wie Sie wahrscheinlich wissen, hat ημελησα die Grundform αμελεω (vernachlässigen), als Negation von μελεταω = sorgen, bemühen (etwas für wichtig nehmen, etwas liegt einem daran), wie auch mehrfach der Kontext des NT zeigt.

Wie kommt man nun von בעלתי (ich habe besetzt / in Besitz genommen) auf ημελησα ? Für seinen Besitz hat man doch Verantwortung, und muss sich sehr wohl darum kümmern und Sorge tragen. Dass Gott in Bezug auf sein Volk, auch nachdem es nicht im Bund geblieben ist, unbesorgt und unbekümmert war, das stimmt ja nun überhaupt nicht. Wäre das denn die Aussage von Hebräer 8,9 ? Mitnichten. Dazu muss man den Gesamtkontext einbeziehen. Gott hat, obwohl das Volk zu diesem Zeitpunkt eigene Wege ging, seinen Plan mit ihm beibehalten. Er kümmerte sich nicht um ihre Wege. Bitte Jesaja 55,8-9 und Hesekiel 18,29 lesen. Gott ist der Besitzer seines Volkes, er bestimmt wo es mit ihm lang geht. Wenn Gott sich um sie kümmern würde, im Sinne des Wortes αμελεω, so wie Jesus und die Evangelien es auch verwenden, dann würde er versuchen ihnen ständig gefallen zu wollen, nach ihrer Pfeiffe und Laune tanzen, ihr Knecht und nicht ihr Herr sein. Gott hat für sein Volk einen zweiten Bund im Sinn gehabt (Hebräer 8,7 + 13). Es geht ihm um sein Volk als Gesamtheit, nicht um die einzelnen Individuen, die sich ihm widersetzen. Da muss man schon ein bisschen mitdenken. Es gibt ein Volk Gottes als Ideal, das er anstrebt, und es gibt das reale Volk Gottes in den jeweiligen zur Zeit existierenden Individuen, die sich ihm ständig widersetzen, und wo er eingreifen muss, damit Sie ihm den Plan nicht sabotieren.

Ich verstehe die Logik in der literarischen Betrachtung. Nur fest steht bestenfalls eine Ähnlichkeit. Daraus ergibt sich noch kein folgenschwerer Rückschluss. Ähnlichkeit bedeutet nicht Abstammung, sie beweist auch keine gemeinsame literarische Quelle, sondern belegt bestenfalls einen gemeinsamen geistigen Urheber. Nicht falsch verstehen ! Ich glaube schon, dass die literarische Quelle der AT Zitate auch ein hebräisches AT war. Denn die Autorität liegt für die Juden ja in der schriftlichen und traditionell bewahrten Fixierung.

Völlig unberücksichtigt war in der Betrachtung bisher auch, dass auch die uns heute vorliegende Fassung der LXX nur ein Flickenteppich aus nachapostolischer Zeit ist, von dem wir nicht auf die im Umlauf befindlichen Schriften um die Zeitenwende schließen dürfen.

Bei den Dingen, die wir überprüfen können, da sind wir uns wohl einig. Differenzen gibt es nur bei den Rückschlüssen. Ich bin von meinen Rückschlüssen weitgehend überzeugt, dann vertrete ich sie auch selbstbewusst. Ich habe aber auch den Mut, manche Dinge offen zu lassen. Autorität habe ich keine. Die hilft auch nicht weiter.

Ach kommen Sie schon ! Nicht gleich übertreiben ! Sie behaupten, die Autoren des NT haben von der LXX abgeschrieben :

Das Stelle ich, mitsamt Ihrer Argumentation in Frage, ohne jedoch die Ähnlichkeit zwischen den Texten zu leugnen.

Gruß, Sven


#28

Sorry luett,

ich weiß, dass es am Thema vorbei geht. Du erinnerst dich aber vielleicht auch, dass ich im alten Forum schon heftige Debatten darüber geführt habe. Eigentlich bin ich eher müde davon :sleeping:

Gruß, Sven


#29

Philon kann man wohl kaum als einen Stellvetreter des Judentums sehen.

Ich zitiere den ersten Satz von Wikipedia:
“Philon war ein einflussreicher jüdischer Philosoph und Theologe. Er ist der bekannteste Denker des hellenistischen Judentums.”
LXX = griechische Übersetzung der wichtigsten Schriften des Judentums.
Einen passenderen Stellvertreter des Judentums zur Zeit Jesu gibt es nicht.

Wenn Sie hier zu dem Rückschluss kommen, dass Jesus und die Apostel überhaupt gar keine Abschrift hatten, dann kann ich Sie nicht ernst nehmen.

Sehen Sie, sie haben noch immer nicht verstanden, was ich seit meinem 1. Beitrag zum Ausdruck bringen wollte. Stattdessen legen Sie Worte in meinem Mund, die ich nie gesagt (geschrieben) habe.

Ich versuche es so einfach wie möglich: Jesus + Apostel hatten Schriften, die heute verloren sind. Noch einmal: Ob hebräisch oder griechisch, die Schriften, die Jesus und seine Apostel hatten, die haben wir heute nicht. Wir können also nicht von einer Übersetzung der Texte reden, die Jesus und seine Jünger hatten. Wir haben keine Schriften/Codices aus dieser Zeit…

Den “masoretischen” Text gab es vor 2000 Jahren nicht. Darauf haben Sie doch selber ausdrücklich hingewiesen.

Korrekt, deshalb “protomasoretischer” Text. Es gab ihn, ja. Haben wir ihn? Nein. Wir können also nicht viel von diesem Text sagen.

Weil er eben doch nur aus dem Gedächtnis zitiert ?

Habe ich erwähnt, dass das ein Problem sein sollte? Dann lassen Sie mich Folgendes fragen: Welchem Text kommt Hebräer 8,8-13 näher, dem der LXX oder MT? Wenn Sie mit dem MT antworten, dann können wir mit unfehlbarer Sicherheit sagen, dass Sie lügen.

Sie haben geschrieben, dass Matthäus die Jesaja Stelle nicht aus einer hebräischen Vorlage übersetzt, sondern lediglich von der LXX abschrieb. Dabei fügen Sie noch hinzu, dass er dabei vom Heiligen Geist geführt gewesen sei. Wenn Παρθένος im Kontext des Verses nun keine gültige Übersetzung des hebräischen Almah wäre, Matthäus aber vom Heiligen Geist geführt sei, führt diese Argumentation zwangsläufig zu dem Schluss, dass die ursprüngliche Intention der Jesaja Stelle nicht mit der des Matthäus übereinstimmen kann.

Nein. Ich sehe hier liegen viele Missverständnisse vor. Sie glauben also allen Ernstes, dass weder im AT noch im NT von einer Jungfrau die Rede ist? Das wäre eine komplett andere Diskussion, die über die Textüberlieferung hinausgeht.

Hier dann noch alibimäßig das Wirken des Heiligen Geistes ins Spiel zu bringen halte ich für heuchlerisch.

Bei Ihnen wundert mich nichts. Ich habe vorhin auf ein anderes Thema geantwortet, und da haben Sie Jesus als Heuchler dargestellt. Ich muss ihr Christsein in Frage stellen.

Sie sagen nun, da WIR diesen Text nicht haben, hatten ihn auch die Apostel nicht.

Tut mir Leid, aber mittlerweile habe ich das Gefühl, dass ich es mit einem Fünfjährigen zu tun haben. Diese Aussage ist solch ein Irrsinn, dass es nicht die Zeit wert ist, darauf einzugehen.

Das ist aber schon ein gewaltiger Unterschied zu der Behauptung, dass die LXX die Vorlage des NT gewesen wäre.
Bezogen auf das Gesamtwerk des MT, inklusive Punktation, Kommentare UND inklusive grammatisches Lehrwerk, das nicht genuin hebräisch, sondern beeinflusst von arabischer und griechischer Grammatik ist, bestimmt für die jüdische mittelalterliche Liturgie (siehe Paul Kahle - Masoreten des Ostens / Masoreten des Westens ; Siehe A.A.Fischer - Der Text des Alten Testaments, Kapitel 2,3), da geb ich Ihnen völlig Recht. Mit diesem MT, also mit diesem von den Masoreten zur christlichen Kirche oppositionell vorinterpretierten und dogmatisch fixierten AT, das heute Quelle sämtlicher Übersetzungen ist, damit haben die Zitate des AT im NT überhaupt nichts zu tun. Der MT in seiner Gesamtheit ist nicht das Wort Gottes, so wenig, wie eine deutsche Studienbibel das Wort Gottes ist.

Wie ich sagte, zu viele Missverständnisse auf beiden Seiten.

Sie setzen hier voraus, dass “anhängen” und “ein Fleisch sein” synonym für Geschlechtsverkehr steht.

Oh stimmt, das war mein Fehler. Mit einer Hure geht man bekanntlich nur einen Kaffee trinken. Kein Geschlechtsverkehr mit einer Hure. Mein Fehler. Paulus hat doch etwas anderes gemeint…

Schauen Sie mal, warum Moses Schwester als Almah bezeichnet wird. Was interessiert in diesem Kontext ihr sexueller Status ?

Jetzt erst verstehe ich, dass Sie auf der Seite der Juden sind, die die Prophezeihung leugnen. So wie es aussieht sind Sie der Meinung, dass nicht nur Almah, sondern auch Parthenos nicht als Jungfrau übersetzt werden soll. Sie geben den Juden Recht, die leugnen, dass Jesus der Christus ist. Erklären Sie doch, was ist das Zeichen/Wunder, wenn eine junge Frau einen Sohn gebärt?

Da muss man schon ein bisschen mitdenken.

Sie müssen einen riesigen semantischen Spagat machen, um ημελησα mit " בעלתי, ich habe besetzt/in Besitz genommen" (ich übernehme das mal an in der Annahme, dass Sie das Hebräische wahrheitsgemäß wiedergeben) irgendwie in Verbindung zu bringen. Jetzt kommt die schlechte Nachricht. Das ist nicht den jeweiligen Versen zu entnehmen. Es ist Ihre persönliche Interpretation.

Ähnlichkeit bedeutet nicht Abstammung, sie beweist auch keine gemeinsame literarische Quelle, sondern belegt bestenfalls einen gemeinsamen geistigen Urheber.

Sie müssen sich ein wenig mit Textkritik beschäftigen. Das würde Ihnen helfen.

Sie behaupten, die Autoren des NT haben von der LXX abgeschrieben

Zum letzten Mal, ganz langsam: Was wir heute haben, überprüfen können, anfassen können, lesen können, sind diese zwei:
1. Die griechische Übersetzung, die LXX (dient für katholische Bibeln als Grundtext für die deuterokanonischen Bücher).
2. Der hebräische MT (wie Sie korrekt geschrieben haben, die Grundlage für fast alle christliche Bibeln) und die Qumranschriftrollen vom Toten Meer.

Diese zwei sind die einzigen Quellen des AT, auf welche wir Zugriff haben. Ich glaube das wissen Sie.
Mir ist völlig klar, dass die ursprüngliche Sprache des AT Hebräisch und Aramäisch ist. Das ist nicht die Debatte.
Wenn Sie mir allen Ernstes sagen, dass das Hebräische (Nummer 2) öfters von den Autoren des Neuen Testaments zitiert wurde, dann ist das Gespräch hier vorbei. Wir sind dann in einer Fantasiewelt angelangt, wo Fakten nicht mehr zählen.

In dieser ganzen Debatte geht es für mich um diesen einen Punkt. Der Stellenwert der LXX sollte ebenbürtig mit dem des MT sein. Mehr behaupte ich nicht. Ob almah oder betulah, ob “durchborht” oder “Löwe” (Psalm 22,16), damit will ich nichts mehr zu tun haben. Dafür müsste ich mir erst Hebräischkenntnisse aneignen. Die scheinen Sie ja zu haben, das ist also ihr Feld.
Wenn Sie mit mir übereinstimmen, dass die LXX genau so beachtet werden muss wie der hebräische MT, dann sind wir uns einig. Dann können wir uns die gesamte Diskussion sparen.
Diskussionen über eine Proto-LXX oder einen protomasoretischen Text will ich mir auch sparen, da wir einfach heute keinen haben. Es gab sie, ja. Wir können damit nichts anfangen, weil keine Kopien davon bis zur heutigen Zeit überlebt haben. Wir haben die Originalschriften des NT auch nicht. Die Papyri aus den ersten Jahrhunderten sind Kopien. Keine Originale. Wir stützen auf Kopien. Gleiches Prinzip.


#30

Eure ausführliche Debatte geht am eigentlichen Thema vorbei. Vielleicht könntet ihr ein neues Thema eröffnen und dort eifrig weiter debattieren.

Das stimmt, tut mir Leid. Mein “Gegner” kann mir ruhig eine private Nachricht schreiben, damit er meine restlichen Fragen beantworten kann.

Ich werde jedenfalls nicht mehr auf dieses Thema antworten.

Gruß


#31

Es gab keinen passenderen Stellvertreter des Hellenistischen Judentums. Daneben funktionierte er aber auch als politischer Stellvertreter. Das ist aber was anderes, als Philon pars pro toto für einen dogmatischen jüdischen Glauben zu sehen, der vom offiziellen Judentum ausging.
Lesen Sie doch weiter bei :


und

und dann auch noch hier :

Richtig. Dabei belassen wir es einfach. Oder wir spekulieren, kommen dabei aber zu unterschiedlichen Schlüssen.

LXX ist griechisch, MT ist hebräisch. Vergleichen sie die Zeichen. Ich sehe da keine Ähnlichkeit. Achso, der MT muss erst übersetzt werden ? Mit welcher Grammatik denn ? Mit der, welche die Apostel kannten, oder mit der jahrhunderte später künstlich für die jüdische Litgurgie konstruierten Grammatik ? Wir haben es hier NICHT mit einer schriftlich bezeugbaren Überlieferung zu tun ! Eben weil es diese gar nicht gab, machten sich die Masoreten ans Werk.

Nein, das glaube ich nicht. Ich weiß, und lese es spätestens zu Weihnachten jedes Jahr erneut, dass eine Sorte von Theologen, Journalisten und nachplappernden Stümpern sich darüber auslässt, dass Matthäus den hebräischen Jesaja entweder falsch übersetzt, oder einfach von der LXX abgeschrieben hätte, wenn er Parthenos schreibt. Erzählen Sie mir doch nicht, dass Sie nichts von dieser Debatte wüssten.

Ich habe Jesus nicht als Heuchler dargestellt. Ich wies darauf hin, dass ein bestimmtes Textverständnis, das ich gar nicht vertreten möchte, ihn als Heuchler erscheinen lässt.

Sie behaupten doch, dass die Apostel von der LXX abschrieben. Muss ich Sie da noch mal zitieren ? Hören Sie auf, dass zu relativieren. Es wirft halt Fragen auf, denen Sie sich stellen müssen. Das dass Fragen von Fünfjährigen wären, das sind Ihre Worte.

Ich sagte, dass weder bei Almah, noch bei Parthenos der Schwerpunkt auf der sexuellen Unberührtheit liegt. Dass der Aspekt je nach Kontext gar keine Rolle spielte, das sage ich gar nicht. In Bezug auf Moses Schwester tut es das nicht. Natürlich ist es kein Zeichen, wenn eine junge Frau ein Kind bekommt. Aber wie sollen denn die Zeichen der sexuellen Unberührtheit gedeutet werden ? Haben Sie da mal praktisch gedacht ? Wenn das Kind bereits geboren ist ?

Eine Unverheiratete sollte schwanger werden. Nicht irgendeine Frau irgendwo auf der Welt, sondern eine aus dem Haus Davids, dem die Prophezeiung aus Jesaja 7,14 ja galt.

Dann müssten Sie mir zu Gunsten einer wortwörtlichen Übersetzung meiner Interpretation auch inhaltlich widersprechen.

Damit wäre aber auch noch nicht die Frage geklärt, wie es zu den Unterschieden kam. Wieso die LXX hier scheinbar einen anderen Sinn als den des MT abbildet. Wie kommen die Autoren darauf ? Solche Fragen stellen Sie sich wahrscheinlich nicht, weil sie das für literarische Sachzwänge halten denen nur Fünfjährige sich nicht beugen wollen.

Das habe ich. Daher habe ich ja diese Ansicht. Komisch oder ? Textkritik macht bei der LXX nicht halt.
Achso, sie meinen gar nicht Textkritik, sondern die Historisch Kritische Methode, die aus dem Nichts mal eben eine handschriftliche Q herbei zaubert.

Nein, das weiss ich nicht. Es gibt Zitate des AT auch in anderen Schriften.

Ich sage nur, dass die Autoren des NT vom hebräischen Text übersetzt haben. Das mündete dann in einer griechischen Übersetzung. Oh Wunder, der hat dann Ähnlichkeit mit der LXX.
Die Autoren des NT haben zu einem Zeitpunkt geschrieben, da gab es unsere Quellen der LXX noch nicht. Wir können also über eine Proto-LXX auch nicht viel sagen. Natürlich ist mir aber auch klar, dass unsere verfügbaren Schriften des NT auch aus späterer Zeit stammen.

Ich sehe keinen Grund, die LXX als vom HG inspiriert anzuerkennen. Vieles in der LXX wirft Fragen auf, die mit einfach einem anderen Hebräischen Text als Vorlage nicht beantwortet werden können. Das heisst aber nun gar nicht, dass ich die LXX überhaupt nicht berücksichtige. Sie ist natürlich ein wichtiges Zeugnis dafür, wie die Übersetzer und das hellenistische Judentum das AT verstanden haben und haben wollten. Sie hilft uns bei der Interpretation hebräischen Vokabeln, sie legt die Bedeutung aber nicht fest. Ihre Vokabeln dürfen nicht als Lemma betrachtet werden.

Zum Abschluss gebe ich ihnen noch einen Vers aus Jeremia mit :

Jeremia 44,26 Darum hört das Wort des HERRN, ihr Juden alle, die ihr im Lande Ägypten wohnt: Seht, ich habe bei meinem großen Namen geschworen, spricht der HERR, daß mein Name nimmermehr durch den Mund irgend eines Juden in ganz Ägyptenland genannt werden soll, so daß einer spräche: So wahr Gott, der HERR, lebt!

Lesen Sie am besten das ganze Kapitel!

Gruß, Sven


#32

Noch einen Nachgang zu Pi-Hachirot

2 Mose 14, 2
Rede zu den Israeliten und sprich, dass sie umkehren und sich lagern vor Pi-Hachirot (פי החירות) zwischen Migdol und dem Meer, …

Als die Kinder Israels aus Ägpyten ausgezogen waren, da gebot Gott Mose, dass sie sich vor Pi-Hachirot lagern sollten.

Was ist so besonders daran?

Sie lagerten also an der Öffnung zur Freiheit, zu der sie aber wegen des Meeres nicht gelangen konnten.

Es mag ein Zufall sein, doch mir gefällt folgende Parallele, die sich hierzu im NT finden lässt.

Quelle

Matthäus 27,60
und legte ihn in sein eigenes neues Grab, das er in einen Felsen hatte hauen lassen, und wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes und ging davon.

Man lagerte ja zu Pessach, also Ostern vor der Öffnung der Freiheit, bis Mose den Stab hob und das Jam Suf = ים־סוף sich teilte. Wobei Jam = ים Meer und Suf = סוף Schilf heißt, was auch als Sof = סוף Ende gelesen werden. Man ging also auf dem Trockenen durch das Ende, spricht durch den Tod. Hallelujah!

Und ebenso scheint mir die mit dem großen Stein verschlossene Tür des Grabes Jesu so ein Pi-Hachirot zu sein, denn in dem gleichen Moment, als Mose das Meer teilte, da rollte der Stein vom Grab Jesu und gab den Weg in die Freiheit frei. Hallelujah!

Gottes Segen! :slight_smile:


#33

2 Mose 15, 1 (Schlachter 2000):
Damals sangen Mose und die Kinder Israels dem HERRN diesen Lobgesang und sprachen: »Ich will dem HERRN singen, denn hoch erhaben ist er: Roß und Reiter hat er ins Meer gestürzt!

Der Vers folgt im Anschluss an den überwältigenden Durchzug der Kinder Israels durch das Schilfmeer jam suf ים סוף oder anders gelesen, durch das Meer des Endes jam sof ים סוף, als das Verborgene, das Trockene sichtbar wurde, wie es auch am 3. Schöpfungstag sichtbar wurde.

1 Mose 1, 9 (Schlachter 2000):
Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an einen Ort, damit man das Trockene
sehe! Und es geschah so.

Schlachter übersetzt: “Damals sangen Mose und die Kinder Israels” doch im Original steht das Wort „singen“
schir שיר in der Zukunft jo-schir ישיר „wird singen“. Das Lied steht also noch aus!

Darauf weißt man im Judentum besonders hin
https://www.chabad.org/multimedia/media_cdo/aid/767160/jewish/The-Sea-Split.htm
und erklärt, dass dies einer der ersten schriftlichen Hinweise auf die künftige Welt und die Auferstehung aus den Toten wäre. Und dies zum Auszug aus Ägypten, also zu Ostern!

2 Mose 15, 1
Dann wird Mose singen und die Kinder Israels dem HERRN diesen Lobgesang …

Hallelujah!

Gottes Segen! :slight_smile:


#34

Das Exil heißt auf Hebräisch Golah = גולה und kommt von galah = גלה, was hinwegnehmen, entfernen, aber auch enthüllten, herausfinden oder entdecken heißt.

ג = g
ו = w/o/u
א = a
ל = l
ה = h

Das Exil Golah = גולה unterscheidet sich in einem Buchstaben vom Wort Ge’ullah = גאולה, was Erlösung bedeutet. Ein Alef א ist eingefügt.

Das Alef, die Göttlichkeit, die eingebettet, aber jetzt verborgen ist, wird offenbart.
chabad.org

Wenn also das Wort Golah = גולה ein Alef א hinzu bekommt, dann wird aus dem Hinwegnehmen ein Erlösen! So ist im Exil schon die Erlösung angedeutet.

Hallelujah! :slight_smile: