Ich bin ja kein [...], aber


#1

Jeder kennt wahrscheinlich Situationen, wo einer sagt, dass “er ja eigentlich kein […] ist, aber” und dann etwas sagt, dass eigentlich genau das Gegenteil belegt.
[…] kann dabei natürlich alles mögliche sein.
Man möchte in keine “Schublade” gesteckt werden - und macht damit eine neue Schublade für sich: “kein […], aber einiges denke ich trotzdem so”
Das kann manchmal sehr komisch sein, wenn einer zum Beispiel sagt, dass er zwar kein Atheist sei, aber er auch nicht an einen Gott glaube (also eigentlich genau das, was einen Atheisten aus macht)
Ich denke zum Beispiel auch an den “Zwang” im alten Forum, sich für eine Denomination zu entscheiden. Wenn einer zwar fast alle Glaubensgrundsätze der evangelischen Kirche geteilt hat, wollte er nicht diese Option wählen (fiktives Beispiel)
Dabei fällt mir auf, dass man meistens “das negative” verneint, und dann doch eine gute Portion davon mitzunehmen - eher seltener, dass jemand das “positive” bejaht, und ein bisschen “böses” mit nimmt.
Je länger ich geschrieben habe desto unsicherer bin ich mir jetzt, ob ich meine Gedanken für euch verständlich dargestellt habe - in der Hoffnung, dass es doch jemand versteht, schicke ich es ab :slight_smile:


#2

Als wir in den Ort zogen, in dem wir nun seit über 20 Jahren wohnen, wurden wir rasch verdächtigt Jehovas Zeugen zu sein. Weshalb? Einige Passanten haben mich singen hören… christliche Lieder… über Jesus und so.

Aus irgendeinem Grund dachten sie, dass Lieder über Jesus außerhalb der Kirche nur von Jehovas Zeugen gesungen werden. Muss man sich mal vorstellen…


#3

Genau das zeigt aber das unsere Gesellschaft keineswegs mehr christlich geprägt ist.
Im englischen und amerikanischen Raum ist die gesamtgesellschaftliche Grundhaltung gegenüber christliche Bräuche wesentlich verständnisvoller. Europa hat für mein Empfinden inzwischen eher die sozialistische Lehre verinnerlicht und verlässt zunehmends den Boden des christlicher Selbstverständnisses.

Auch ich habe mal eine ähnliche Erfahrung gehabt.
Als ich hörte das mein Vater keine Bibel im Hause hatte, habe ich ihm zum Geburtstag eine geschenkt.
Ohne viel Worte, einfach nur das er erstmal eine im Haus hat. In Europa haben immer weniger Menschen Bibeln bei sich zu Hause. Das ist glaube ich eine schlechte Entwicklung.
Daraufhin ist seine jetzige Frau total aufgescheucht zu allen möglichen Familienmitgliedern gerannt und hat aufgebracht berichtet das ich wohl jetzt zu einem gefährlichen Sektierer mutiert bin weil ich Bibeln verschenke.
Menschen mitten in Europa reagieren inzwischen verängstigt und alarmiert wenn man sie mit christlicher Lehre konfrontiert. Es ist zum Kopfschütteln.


Regierungsnahe Medien
#4

Hi Jsc,

also ich glaube wir haben alle diesen Satz schon einmal gehört, oder benutzt. Aber ich weiß nicht genau worauf du hinaus willst.

Bei diesem Satz kommt mir auf jeden Fall das Wort “Rechtfertigung” in den Sinn. „Ich bin ja kein Nazi, aber Ausländer sollten draußen bleiben” - sowas in der Art. Und in der Tat, nur weil man (aus welchen Gründen auch immer) gegenüber Ausländern misstrauisch ist, bzw. glaubt, dass sie dem “Gemeinwohl” nicht unbedingt förderlich sind, heißt das noch lange nicht, dass man die eigene Rasse (die es streng genommen gar nicht gibt) als höherwertig betrachtet.

Man kann ganz andere Gründe dafür haben. Es gibt verschiedene rationale oder emotionale Gründe dafür. Aber die meisten Leute assoziieren damit asoziale, man könnte sagen minderwertige Beweggründe.

Es ist in meinen Augen also keineswegs so, dass man

. Es ist eher so, dass man andere Gründe hat, als die, die quasi vorurteilsmäßig unterstellt werden. Aber in den meisten Fällen sind die Leute einfach nicht in der Lage, das vernünftig zu artikulieren. Bzw. lässt man solche Argumente schlicht nicht mehr gelten. Es ist einfach alles böse, was nach dem >>aber<< folgt.

Im Grunde haben wir damit die politische Korrektheit beschrieben. Antworten, die jedermann erwartet. Anderweitige “Herangehensweisen” gibt es nicht und werden sozial geächtet. Darum der Drang, sich mit solchen Satzkonstruktionen zu rechtfertigen.

MfG


#5

Hi Bibelleser,
da hast du recht. Die deutsche Geschichte mit ihren beiden Weltkriegen hat viele Brüche und Katastrophen hinterlassen, die auch am hiesigen Christentum nicht spurlos vorbei gingen. Amerika hat diese Erfahrung so nicht geteilt. Die amerikanischen Christen standen immer auf der Gewinnerseite und brauchten sich bisher nicht selbst zu hinterfragen. Das ist ein wesentlicher Punkt.

Gottes Segen! :slight_smile:


#6

Tja, daran sieht man den Erfolg des Bildungssystems…

Hinter der Zurückhaltung steckt oft Feigheit. In Offenbarung 21,8 sind Feiglinge neben Mördern genannt.


#7

Die Zeiten ändern sich.
Mit 17 habe ich in der Schule gesagt ( 1977) , dass ich an keinen Gott glaube. Ich war die einzige Atheistin in der Klasse. Schimpf und Schande kam über mich. Eine nannte mich ungläubiger Judas.
Jetzt ist es umgekehrt, wenn ich meinen Glauben bezeuge…

Wie geht das, was hat sich verändert? Kann der Glaube sich der Gesellschaft anpassen oder sogar ganz verschwinden?

LG


#8

Außerdem ändern Zeiten dich!

Bei mir war es ähnlich wie in der Bibel, GOTT hat sich mir nach und nach offenbart:

Ich habe durch denken und nachsinnen schon mit 16 Jahren GOTT gefunden, seinen Gegenspieler habe ich aber auch erkannt.
Mit 19 Jahren hat er in seiner Allmacht zu mir gesprochen.
Mit 25 Jahren stand ich alleine vor Tod, Teufel und Hölle und danach hat Er seine Herrlichkeit an Weihnachten in einem Lied als Jesus Christus mir offenbart
Jetzt bin ich Christ, alle meine Sünden (vergangen, gegenwärtig und zukünftig) hat Jesus ausgetilgt.

(P.S.: Dafür haben die Dorfkopps meine ganze Liste der Sünden, die sie auch überzeugend vortragen)


#9

Hallo Ellipirelli,

also ich habe gestern ein wenig über das frühe Christentum gelesen. Bemerkenswert daran war, welche Opfer man damals bereit war einzugehen. Allein für (bzw. gegen) die Praxis der Kindstaufe haben etliche ihr Leben gelassen.
Heute leben wir im Zeitalter der Toleranz. D.h. wir lassen das stehen. Es ist uns (bzw. “den Christen”) - wie ich nicht oft genug betonen kann - völlig gleichgültig geworden.
Und es geht mir ganz ähnlich wie dir. Nur dass ich wesentlich jünger bin (bin erst nach den 90ern eingeschult worden).

Der Thread-Titel “Ich bin ja kein […], aber…” deutet es ja an. Wir haben uns diese Wischi-Waschi-Satzkonstruktionen zurechtgelegt, um nicht verachtet zu werden. Das Ansehen war uns lieber, als die Wahrheit. Oder unsere Überzeugungen, um nicht in eine Grundsatz-Debatte zu geraten.

Und am Ende wird jeder als Christ bezeichnet, der zur Wintersonnenwende den Lichtbringer zelebriert (a.k.a Weihnachten).

MfG


#10

Hi Elli,
ja, die Zeiten ändern sich und haben sich schon immer geändert.

Im Grunde ist das Bild von Schafen für uns Menschen sehr passend. Wir rennen einfach der Masse nach, egal wohin. Wir Menschen passen uns leicht der Mehrheit an. Ein anderes Beispiel der heutigen Zeit sind z.B. die Tätowierungen. Als ich Kind war waren Tattoos außerhalb des Normalen. Heute ist ein Studio in meiner Straße. Was lässt die Menschen dem Herdentrieb folgen?

Gottes Segen! :slight_smile:


#11

Hallo Lütt-matten,

Hmm… ich würde das ähnlich wie mit den Emotionen sehen. Dieser “Trieb” motiviert uns etwas zu tun, was wir ohne diesen Reiz nicht täten.
Dieser Reiz kann sowohl unser Gewissen, als auch die Vernunft besiegen.

Unser Problem heute dürfte allerdings eher darin liegen, welcher “Herde” wir folgen.

MfG


#12

Das ist wohl schon immer die Frage der Menschheit gewesen. :slight_smile:


#13

“Ich bin zwar kein Heiliger, aber trotzdem um einiges anständiger als all dies Gesindel” :rofl::rofl::rofl:


#14

Hallo Goswin!

Dazu fallen mir diese Worte ein:

Ich hoffe, das weiß nun so ziemlich jedermann:
Wer sich rühmen will ein Christ zu sein,
der soll sich auch rühmen,
ein Heiliger und Gerechter zu sein.

Denn ein Christ muss heilig und gerecht sein,
oder er ist kein Christ,
weil ja die Christenheit heilig ist
und die ganze Heilige Schrift,
die Christen Heilige und Gerechte nennt.

Und das ist kein Hochmut,
sondern ein nötiges Bekenntnis
und ein Artikel des Glaubens.

Wir sollen aber wissen,
dass wir für unsere Person als Adamskinder,
tatsächlich verdammte Sünder sind
und keine eigene Gerechtigkeit und Heiligkeit haben.

Aber weil wir getauft sind und an Christus glauben,
sind wir in Christus und mit Christus heilig und gerecht.

Er hat unsere Sünde von uns genommen,
und hat uns mit seiner Heiligkeit
begnadet, bekleidet und geziert.

So ist die ganze christliche Gemeinde heilig,
nicht an sich selber, nicht durch ihr eigenes Werk,
sondern in Christus und durch Christi Heiligkeit,
wie Paulus sagt (Eph 5,26):

„Er hat sie gereinigt durch
das Wasserbad im Wort des Lebens.“

Ich bin getauft!
Ich bin ein Christ!
Ich glaube an Christus!
Ich glaube, dass Christus für mich gestorben ist!
Ich glaube, dass sein Blut mich gereinigt hat
oder reinigen könne!

Kurzum, ich glaube jedes Wort,
was Gott von Jesus Christus bezeugt hat,
und was die ganze Heilige Schrift sagt!

-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

Wer sich nun scheut,
zu rühmen und zu bekennen,
dass er heilig und gerecht ist,
der tut gerade so, als sagte er:
Ich bin nicht getauft,
ich bin kein Christ,
ich glaube auch nicht an Christus,
glaube auch nicht,
dass Christus für mich gestorben ist,
glaube nicht,
dass sein Blut mich gereinigt hat
oder reinigen könne;
kurzum, ich glaube kein Wort von dem,
was Gott von Christus bezeugt hat,
und was die ganze Schrift sagt.

-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

Wenn du also glaubst,
dass Jesus Christus
Sünde und Tod auf sich nimmt,
damit du kein Sünder mehr bist
und nicht stirbst
und dass er
um unserer Gerechtigkeit willen
vom Tod erstanden ist,
so bist du gerecht.

Ps 118,17
Ich werde nicht sterben, sondern leben
und des HERRN Werke verkündigen.

Martin Luther

LG! Erich