Religion ist Inn! HILFE?!


#1

Die Säkularisierungsthese beschreibt, dass Religion immer mehr von anderen (rationaleren) Bereichen, wie die Wissenschaft, ersetzt werden würde. Demzufolge würde Religion irgendwann einfach aussterben. Sie wurde u.a. damit begründet, dass immer weniger Menschen in die Kirche gehen, was auch nachweisbar ist. Trotzdem scheint Religion nicht nachzulassen- im Gegenteil. Religion spielt im persöhnlichen Bereich eine immer größere Rolle.
Es gibt verschiedene Begründungen für diese Entwicklung auf die ich aber noch nicht eingehen will, bevor ich eure Deutungen und Meinungen zur Ursache dieser Entwicklung gehört habe. Viel wichtiger sind aber die möglichen Folgen einer solchen Entwicklung. Religion differenziert sich von (traditionellen) Institutionen, Privatisiert sich, wird aber vor allem pluralistischer. Das heißt u.a., dass jeder seine eigene Version vom Glauben entwickelt. Dazu mal ein Zitat:

Was denkt ihr? Beobachtet ihr selbst schon diese Entwicklung und ihre möglichen Folgen? Seht ihr darin etwas eher gutes oder schlechtes? Seht ihr darin etwas biblisches? Habt ihr euch schonmal Gedanken zu dem Thema gemacht?

  • Diese Entwicklung ist eher positiv
  • Diese Entwicklung ist eher negativ
  • Diese Entwicklung hat unvorhersehbare Folgen
  • Diese Entwicklung ist ein Trend und Religion wird wieder nachlassen

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PS: Ich will ausdrücklich darauf hinweisen, dass es mir hierbei nicht darum geht Gottes Führung im Ganzen auszublenden, der immer das letzte Wort hat. Wir Menschen sind lediglich Beobachter die aber in ihrem Umfeld sehr wohl (positiven) Einfluss ausüben können.


#2

Hey!

Den Eindruck, dass die Spiritualität zurückkommt, habe ich auch. Zumindest muss ich mich weniger für den Glauben rechtfertigen. Viel eher muss man sich heute für einen exklusiven Glauben rechtfertigen.

Das Zitat von F.W.Graf ist interessant. Aus der Perspektive hatte ich das noch gar nicht gesehen. Macht aber Sinn. Wahrnehmbar wird dieser Konkurrenzdruck auf Evangelisationsveranstaltungen oder auch im “Wort zum Sonntag”.

Jedenfalls sehe ich diese Entwicklung negativ, obwohl ich das intuitiv irgendwie positiv sehen möchte. Aber aus den von dir genannten Gründen, kann ich das nicht. Diese neue Spiritualität fragt nicht danach, was Gott gesagt hat, sondern nimmt sich, was sie braucht.

MfG


#3

Richtig, denn Exkulsivität würde der Vielfalt und Freiheit im Wege stehen. Allerdings ist jeder Glaube ab einen bestimmten Punkt Exklusiv. Während manche sagen, dass sie an Gott glauben und somit Atheisten ‘ausschließen’, behaupten andere, dass Jesus Gott ist und distanzieren sich in weiteren Bereichen von den anderen Weltansichen, Denkweisen oder Religionen ab. Dadurch gehen Gemeinden in den Wettbewerb mit den anderen, religiöße Erfahrungen und Events werden zum Mittel genutzt und der Glaube wird letzlich Ware, die man sich aussuchen kann.
Natürlich stritten verschiedene Glaubenrichtungen schon immer, allerdings streitet heute keiner mehr sondern wirbt nur für seine Ansichten. Es zählt nicht mehr was Gut oder Schlecht ist, sondern nur das was Gut oder Schlecht dargestellt wird. Eben weil es effektiv ist, wird viel zu viel wert auf das Äußerliche gelegt (Musik, Technik, (Predigt)Stil) was ein extrem Oberflächliches Christentum fördert (=Religion im evangelikalen Sinne).
Nichtsdestortotz sehe ich auch im Religionsboom eine große Chance Leute für den richtigen Glauben zu gewinnen. Das Christentum ist das einzig wahre Angebot weil nichts anderes fähig wäre den Durst zu stillen - nur das lebendige Wasser kann dann.

Meine erste Gemeinde hatte früher 200 Mitglieder. Heutzutage haben sie ein professionelle Lobpreisband die durch ganz Deutschland Tourt - und die Gemeinde ist ums dreifache gewachsen. Gut oder Schlecht? Ich kann die Folgen nicht abschätzen und kann mich desweegen mit deinen Satz identifiezieren:


#4

Ja, natürlich. Selbst innerhalb des Christentums gibt so viele Unterschiede, dass es mehr oder weniger Unmöglich ist, eine gemeinsame Gemeinde zu betreiben.

Streit würde nämlich erfordern, dass man sich zu einer Entscheidung durchringt. Dass man Wahres von Falschem unterscheidet.

Aber als “absolute” Wahrheit kann heute nur gelten, was man als “kleinsten gemeinsamen Nenner” bezeichnen könnte. Wenn alle stets nur noch das “Gemeinsame” betonen, wird der (wahre) Kern automatisch so klein, dass (wie ich denke) sogar Atheisten daran teilhaben können.

Ja, genau… das kann man eigentlich nicht negativ bewerten. Das sollte in jedem Fall gut sein. Das Problem das ich sehe ist, dass man bei einer wachsenden Nachfrage nach “Religion”, neben einem fruchtbaren Boden auch eine “starke Saat” benötigt.

Du hattest oben ja auch die Antwortmöglichkeit “diese Entwicklung hat unvorhersehbare Folgen”…

Und wenn ich mir so unsere kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen ansehe, dann stellt man fest, dass “konservative” oder “jüdisch-christliche” Kultur vereinzelt wieder in den Vordergrund gerückt werden. Die “neue Rechte” (oder “alt-right”) wähnt sich in einem Kulturkampf und ruft dazu auf, die Tradition neu zu entdecken. (Selbst Merkel hatte mal angedeutet, dass wir in Anbetracht der Überfremdung halt wieder in die Kirche gehen sollten).
Jordan Peterson (den hatte ich an anderer Stelle schon mal erwähnt) ist auch so ein Phänomen. Er bezeichnet sich schon als Christ (wobei er einige Schwierigkeiten hatte, Fragen über Jesu Auferstehung zu beantworten) und hält Vorträge über alle möglichen biblischen Themen. Ohne jemals Gnade, Vergebung oder Sünde anzusprechen. Sein Bücher (z.B. “Maps Of Meaning”) sind Bestseller. Dabei kommt mir diese Darstellung vor wie ein abstraktes Christentum. In seinen Vorträgen zieht er regelmäßig Vergleiche zu ägyptischen und fernöstlichen Religionen.
Ich kann mich einer gewissen Faszination demgegenüber nicht entziehen, glaube aber auch, dass das eher so eine Art Freimaurer-Christentum ist. Er redet ständig von Hierarchien (der Pyramide) und davon, dass die Bedeutung (der jüdisch-christlichen Überlieferungen) nicht im Wort selbst liegt, sondern eine unausgesprochene, evolutionäre Weisheit darstellt.

Also ja… ich schätze zumindest mittelfristig sind die Entwicklungen nicht wirklich vorhersehbar. Allerdings habe ich in letzter Zeit die (vielleicht schlechte) Angewohnheit, die Dinge vom Ende her zu betrachten.

MfG


#5

Diese ‘neu entdeckte’ Tradition oder Religion will allerdings mit dem Zeitgeist gehen, der sich oftmals konträr zum christlichen Glauben stellt. Man muss heutzutage selbst Christen erklären was falsch darin ist, ausgelassen zu Feiern oder haufenweise Beziehungen einzugehen…

Das sehe ich auch so, aber was heißt starke Saat im konkreten? Für manche ist es eine Erweckung á la Awakening Europe, andere sammeln sich in erz konservativen Gruppen zusammen. Obwohl ich Peterson nicht kenne, scheint er einen Weg zu gehen mit dem ich am eheseten sympathisieren kann. Christen müssen lernen den Glauben nicht abzugrenzen sondern ihn als Normalität zu betrachten. Kein Hype ist notwendig, keine strengen menschlichen Regeln. Wie kann etwas ‘Inn’ sein, wenn es eigentlich nie ‘out’ war? Nicht im Sinne der Zustimmung aber im Sinne der Betroffenheit! Für mich sieht eine starke Saat sehr schlicht aus und dennoch überzeugend. Wer aber den Fehler begeht (wie ihn vielleicht Peterson), die Fakten völlg abgegrenzt vom Glauben zu betrachten, der hat meiner Meinung nach nichts begriffen. Wenn ich ein Baum sehe, dann sehe ich keine Pflanze sondern eine Schöpfung. Wenn ich den Menschen betrachte, dann sehe ich kein Lebenslauf, sondern ein Lebenssinn.
Vielleicht führt die religiöße Renaissance ja dazu, aber mommentan sieht es eher nach einen der beiden Extremen aus…

Dann darf ich dich und mich ermutigen, gerade gegen Ende auf Gott zu schauen :blush: :


#6

Danke für die Ermutigung :slight_smile:!

Naja, ich habe dabei an das klassische “Wort zum Sonntag” in der Tageszeitung gedacht, oder an die Wohlfühlpredigten, oder eben auch an Jordan Peterson.
Ich will nicht sagen, dass das komplett nutzlos ist. Aber das sind hauptsächlich Erzählungen und Lebensgeschichten. Im Falle Petersons eher Philosophie. Sicher, solche Veranstaltungen sind geeignet, das Interesse zu wecken. Aber notwendig ist (eine Predigt über) das Wort Gottes.

Hmm… eigentlich sehe ich die “neue Rechte” eher als säkulare Gegenbewegung zum Zeitgeist. Sie argumentieren, dass der Zeitgeist überhaupt nur so viel Potential entwickeln konnte, weil die Traditionen nicht beachtet wurden.
Wie gesagt, ich habe keine Ahnung, wie sich das entwickeln wird. Aber ich glaube, dass man sich als wahrer Gläubiger (wieder mal) irgendwo “zwischen den Stühlen” wiederfindet.

MfG


#7

Gut gesprochen. :+1:

Einen sogenannten Regierungssitz strebt ein Christ angesichts der heutigen politisch versauten Lage wohl keiner mehr ernsthaft an. Und wenn, dann gebe ichi hm nicht mehr als 3 Monate. Dann ist er entweder abgesägt oder er beginnt seinen Glauben aufs Spiel zu setzen.

Einige Zeit hegte ich Symphathie für die Rechten, weil sie in ihren Grundsatzprogrammen noch christliche Werte hatten. Die gelebte Praxis sieht dann doch anders aus. Mittlerweile bin ich ernüchtert.

Heute wähle ich nur mehr noch das kleinste Übel. Eine Wahl ist das nicht, nur der Versuch dem noch Schlimmeren zu engehen.

Ich sehe zwar ein paar gute Früchte, dass in Österreich endlich mal nicht die Linken an der Regierung sind. Langfristig wird aber der Abfall voranschreiten. Insoferne geht die BRD vielleicht noch vor Österreich unter, aber mehr nicht.

Wichtiger ist es daher die Warnungen der Endzeit auch entsprechend zu beachten. Ich finde es daher umso wichtiger standhaft zu bleiben, auch wenn es mgl. mit Gefängnis verbunden sein kann. Wäre es denn das erste Mal?


#8

Naja, ich persönlich will weiterhin nicht wählen gehen. Aber was die Lage betrifft bin ich gegenteiliger Ansicht. Gerade diese “versaute Lage” motiviert auch Christen dazu, sich einzubringen.
Allerdings ist das Problem dabei, dass man sich dann mit dem gegenwärtigen Zeitgeist arrangieren muss. Selbst wenn man den Fortschritt aufzuhalten vermag, kann man die Zeit nicht zurückdrehen.

Ein ähnliches Problem haben die Kirchen. Die Mitgliedschaften sinken, obwohl die Religiosität zu steigen scheint. Die Vorstellung davon, was Gottesdienst ist, hat sich mit der Zeit einfach verändert. Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Historisch-kritisch auf der einen Seite, charismatisch auf der Anderen.

MfG